Seemotive


Seejungfrauen, Meerfrauen, Nymphen und Nixen sind wunderhübsche weibliche Wesen.
Sie haben lange Haare, schön geformte Gesichter und wohlgerundete Brüste. Doch von der Taille abwärts haben sie einen schuppigen Fischschwanz!


Bei den Schotten sind die Seejungfrauen sehr beliebt. Wenn man sie nicht beleidigt wenden sie Gefahren ab. Dazu können sie in die Zukunft sehen und eventuelle Stürme vorhersagen.
Wenn man sie aber verärgert tauchen sie, dem Schiff ihr Gesicht zuwendend, unter. Und danach folgt ein Unglück dem anderen. Tauchen sie jedoch mit abgewendeten Gesicht, so wird das Schiff eine glückliche Reise machen.


Wenn ein Schiffsneubau seine erste richtige Einsatzfahrt absolviert, sprechen wir von einer Jungfernreise. Auf Briefen sind dann Cachets mit Seejungfrauen sehr beliebt, wie hier auf der MS "Astor" oder dem Tender "Elbe".


Auf der linken Marke sehen wir neben dem Polarschiff "Jules Verne" eine Meerjungfrau, die einen Hammer schwingt. Dabei hat sie einen Amboß mit ihrem Schwanz fixiert. Da setzt es Schläge.
Rechts nimmt eine Meermaid ein japanisches U-Boot schützend in den Arm; da sollte man anmustern!


Auf alten Segelschiffen sollen die Seeleute richtig Angst vor Meerjungfrauen gehabt haben. Eine gewisse Scheu vor der Weiblichkeit spielte bei diesem Aberglauben wohl eine Rolle. Als vor mehreren 100 Jahren solch ein Wesen versuchte, auf einen Hamburger Segler zu klettern, schlugen die Seeleute mit Bootshaken auf sie ein bis sie schließlich aufgab. Sie weinte bitterlich und versank im Wasser.


Eines der bekanntesten Märchen des dänischen Schriftstellers Hans Christian Andersen ist die Geschichte um "Die kleine Seejungfrau". Als die wunderschöne kleine Seejungfrau 15 Jahre alt ist, darf sie an die Wasseroberfläche auftauchen. Sie trifft auf ein Schiff mit einem Prinzen an Bord, in den sie sich sofort verliebt. Wie das Schicksal so spielt, ein Sturm bringt das Schiff zum kentern und die Seejungfrau rettet den betäubten Prinzen und bringt ihn zum Ufer. Wegen ihrem Fischschwanz hält sich die Seejungfrau versteckt und der Prinz wird von einem anderen Mädchen entdeckt und zum Palast gebracht.


In ihrer Liebe zum Prinzen will die kleine Seejungfrau unbedingt eine menschliche Gestalt annehmen. Mit Hilfe eines Zaubertranks einer Hexe spaltet sich ihr Fischschwanz und sie bekommt zwei menschliche Beine. Doch sie muss der Hexe ihre Stimme geben und ist fortan stumm. Im Laufe der Geschichte nimmt der Prinz sie an seinen Hof auf, heiratet jedoch das Mädchen, das ihn damals am Ufer entdeckt hatte. Die stumme kleine Seejungfrau stürzt in die See und löst sich im Schaum auf.


Die kleine Seejungfrau (dänisch: lille havfrue) ist eine Skulptur des dänischen Bildhauers Edvard Eriksen (1876 - 1959). Sie sitzt auf einem Felsen im Hafen von Kopenhagen und ist zum Wahrzeichen der Stadt geworden, siehe Marken oben.
Der Kopf ist nach der Ballerina Ellen Price gestaltet, der Körper nach der Ehefrau Eline des Künstlers. Am 24. August 1913 wurde die Figur, die 175 kg wiegt und nur 1,25m hoch ist, feierlich enthüllt. Allerdings war es nur eine Kopie, das Original wird an einem geheimen Ort aufbewahrt.
Im Laufe der Jahre ist die Figur mehrfach bemalt und mutwillig beschädigt worden. Doch sie wurde stets restauriert.
Heute gehört zu jedem Besuch von Kopenhagen eine Wanderung zur kleinen Seejungfrau.


Nixen sind Wassergeister in der nordeuropäischen Mythologie. Nixe ist die weibliche Form, es gibt auch einen Nix, der oft als Wassermann bezeichnet wird.
Nixen bringen den Menschen Gefahr, Schaden oder sogar den Tod! Häufig betören sie Männer und ziehen sie auf den Grund von Flüssen und Seen. Nixen wurden als junge Frauen mit grüner Haut und langen Haaren beschrieben, aber auch als weibliches Wesen mit einem schuppigen Fischschwanz.


Die Wasserfrau ist von anderen weiblichen Wasserwesen, besonders von den Meerjungfrauen und den Nixen abzugrenzen. Ihr charakteristisches Merkmal ist ihre positive Einstellung zu den Menschen. Als Wassermutter spendet sie Leben, Schutz und Segen. Als Wasserbraut vermählt sie sich mit einem Menschen und schenkt ihm ihre Liebe.
Die Wasserfrauen tauchen bereits in den Mythologien antiker Völker auf. So z.B. die fischschwänzige Mondgöttin Derceto in Vorderasien, in Indien die Gottheit Vishnu als vierarmige Frau mit einem Fischunterleib und in China gab es die Drachenfrauen.


Auch Columbus wurde schon von schützender, weiblicher Hand über den Atlantik geführt!


Sämtliche Meeresgöttinnen aller Kulturen gehören zu dem Typ der Meerfrau. Auch die griechische Liebesgöttin Aphrodite, die "Schaumgeborene", ist eine Meerfrau, obwohl sie auf diesen beiden Marken auch ohne schuppigen Unterleib dargestellt ist.


Eine Sirene ist in der griechischen Mythologie ein weibliches Fabelwesen, eine Mischung aus ursprünglich Frau und Vogel, später auch Frau und Fisch. Die Sirenen locken durch ihre betörenden Gesänge die vorbeifahrenden Schiffer an, um sie zu töten.
Falls es einem Seemann gelänge, sie zu passieren ohne ihren Verlockungen zu erliegen, müssten sich die Sirenen ins Meer stürzen und sich selbst ertränken. Dies gelang jedoch Orpheus und auch Odysseus. Orpheus sang so laut und übertönte den Gesang der Sirenen. Odysseus liess sich an den Mast binden und seinen Gefährten wurden die Ohren mit Wachs verschlossen.


In den Sagen der Åland Inseln gibt es zwei weibliche Wesen, Fenja und Menja. Sie waren Sklavinnen am Hofe von König Frodi und mussten Gold mahlen. Eines Tages wurde der König von Seestreitkräften angegriffen. Fenja und Menja kamen auf ein Schiff und sollten dort Salz mahlen. Das Schiff sank in der Schlacht, aber Fenja und Menja mahlten weiter Salz auf dem Meeresgrund. Das ist der Grund warum das Meerwasser salzig ist.


Neben diversen mythologischen Versionen über Lilith gibt es auch die, dass sie ein weibliches Meerungeheuer (Leviathan) und eine Göttin der Stürme gewesen sei. Sie "raubte" sich Männer, die ihrem Charme nicht widerstehen konnten. Als Strafe für ihre allzu menschlichen Exzesse wurden ihre Beine in Ketten gelegt und sie wurde verdammt, für immer in den Tiefen der See zu leben.


Eine Nymphe ist in der griechischen und römischen Mythologie ein Naturgeist. Die Nymphen wurden in der Kunst als liebliche, leicht bekleidete Mädchen dargestellt. Es gibt zahlreiche Arten von Nymphen. Unter den Wassernymphen sind die Najaden (fliessendes Wasser) am bekanntesten. Sie mussten über Quellen, Flüsse und Seen wachen. Trocknete das Gewässer einer Najade aus, musste sie sterben. Auf dem britischen Kreuzer "Nymphe" haben wir allerdings eine vollschlanke Nymphe als Gallionsfigur.


Die Nereiden sind die 50 Töchter des Nereus mit der Doris. Sie sind die Nymphen des Mittelmeeres. Sie beschützen die Schiffbrüchigen und unterhalten die Seeleute mit Spielen. Sie sind auch Begleiterinnen des Meergottes Poseidon. Auf vielen altgriechischen Darstellungen reiten die Nymphen auf Delfinen.


Zu der nordischen Götterwelt, beschrieben in der Edda, gehören auch Thor und Ran. Ran ist die Frau des Meergottes Ägir. Auf der Marke links ist Ran mit einem Netz auf der Suche nach ertrunkenen Seeleuten. Sie ist die Herrin über die Seelen der Ertrunkenen. Links schwingt Thor seinen Hammer.


In dem finnischen Nationalepos Kalevala ist Luonnotar eine Wasser-Mutter! Sie kam aus der Luft herab und wurde vom Wind geschwängert. Nachdem sie sich an der Gestaltung der Welt beteiligt hatte, gebar sie den alten Väinämöinen.


In der chinesichen Mythologie gibt es Feen, die auf den Wellen spazieren gehen können. Nach dem indischen Buddhismus lebten diese Frauen / Feen selbst in der See.


Hier sehen wir einen Block mit Seegöttinen des Pazifiks.
In der oberen Reihe von links: die Schlange Walutahanga von Micronesien mit der Mutter und Tochter, die nicht von den acht Teilen der Schlange gegessen hatten.
Tien-Hou von China leuchtet Schiffern im Sturm mit einer Laterne und Lorop von Micronesien taucht nach Fischen.
In der unteren Reihe: Oto-Hime von Japan taucht zu einem Kanu mit einem Prinzen auf,
Nomoi von Micronesien beschützt ein kleines Tier und
auf die Junkgowa Schwestern trifft man sicherlich, wenn man an den Küsten Australiens unterwegs ist.


Scylla war ein Meeresungeheuer in der griechischen Mythologie. Sie hatte den Oberkörper einer jungen Frau und einen Unterleib, der aus sechs Hunden bestand. Sie war einst ein schönes Mädchen, eine Nymphe und liebte Glaukos. Die Zauberin Kirke war eifersüchtig und vergiftete das Meer, in dem Scylla badete. Als Scylla aus dem Wasser stieg war sie entstellt und aus ihrem Unterleib wuchsen sechs Hundeköpfe. Scylla wurde zum wilden Tier und wollte das ihr angetane Unrecht rächen. Sie traf mit Odysseus und mit den Argonauten zusammen.


Die Undine ist ein weiblicher, jungfräulicher Wassergeist, Kategorie Nymphen. Sie ist unsterblich. Doch wenn sie sich mit einem Menschen vermählt und ein Kind bekommt, erhält sie mit dem Kind zusammen eine Seele und verliert ihre Unsterblichkeit. Einem untreuen Gatten bringt die Undine den Tod.


Melusine ist eine europäische Sagengestalt. Sie wird als Frau mit einem Fisch- oder Schlangenunterleib dargestellt. Sie willigte in eine Heirat mit dem schottischen König ein, allerdings nahm sie ihm das Versprechen ab, niemals ihr Zimmer zu betreten wenn sie badete oder ein Kind gebar. Als er das Tabu brach verließ sie ihn zusammen mit ihren drei Töchtern. 15 Jahre später nahmen die Töchter Rache und begruben den König lebendig in einem Berg. Melusine wurde verflucht und von der Taille abwärts in eine Schlange bzw. in einen Fischleib verwandelt.


Auf dieser ägyptischen Marke sehen wir die Braut des Nils mit Lotusblüte und einem Reiher.

Die Donau-Nixe vom Strundengau, eine österreichische Sage.


Auf dieser Nevis Marke steht: Robbe, die fälschlicherweise für eine Meerjungfrau gehalten wurde.
Dies erklärt sicher viele Beobachtungen von Seejungfrauen.
Auf den Phlippinen werden traditionell aus Fischresten und toten Affen künstlerische Meeresungeheuer für die Touristen erstellt. Sie werden dort als mumifizierte Meerjungfrauen zur Schau gestellt.


Links auf der liberianischen Marke sehen wir eine Frau, die die Verbildlichung der Freiheit (lat. liberia) darstellen soll. Zur Freiheit gehört dann auch symbolisch ein Schiff. Solche Allegorien finden wir auf vielen Briefmarken.
Ein weiteres Beispiel dazu ist rechts die französische Marianne mit Jakobinermütze in einem Segelboot. Marianne war der Name einer republikanischen Geheimgesellschaft in Frankreich; später sinnbildlich für die "Freiheitsheldin". Heute ist sie die Personifikation der französischen Republik.


Quellen:

Wikipedia Internet Lexikon
J.W. Scheutzow, ... ihre Heimat ist das Meer
E. Wiese, Meeresungeheuer, Geisterschiffe und der Klabautermann


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