Rahsegel 3

Seemotive :
Segelarten - Segeltypen!

Hanse-Kogge mit Rahsegel


Diese Seite zeigt keine Segelschiffstypen, sondern berichtet über die unterschiedlichen Segelarten von der Antike bis zur Neuzeit.


Rahsegel 2
Rahsegel 5
Das älteste bekannte Segel ist das Rahsegel! Es ist ein viereckiges Segel, das unter einer Holzspiere (Rundholz) befestigt ist, die Rah genannt wird. Die Rah ist in ihrer Mitte waagerecht am Mast befestigt.
Links ein ägyptisches Segelschiff 1500 vor Ztr., ein Relief aus dem Totentempel der Königin Hadschesput. Das Segel dieses Schiffes ist an zwei Rahen befestigt. An der unteren Rah erkennt man deutlich eine Vielzahl von Toppnanten, die die Rah nach oben biegen. Damit sollte verhindert werden, dass die Nocken (Enden) der Rah ins Wasser tauchten, wenn das Schiff rollte. Das Segel war aus Leinen und oft auch bunt dekoriert. Die Rah ist ca. 20m lang, das Segel hat ca. 130qm Segelfläche.
Rechts Wikingerschiffe mit ihren Rahsegeln, ca. 800 nach Ztr.. Die frühesten dieser Segel waren aus Wolle hergestellt. Die Wolle dehnte sich stark und riss leicht.Um dies zu verhindern wurde auf der Vorderseite ein Netz zur Stützung angebracht. Das Netz war aus Tauwerk oder Tuchstreifen gefertigt. Auf der Marke ist unter dem Segel das weiterführende Netz erkennbar. Spätere Wikingerschiffe hatten Wollsegel mit Lederverstärkungen, aber auch Segel aus Leinwand.


Rahsegel 1
Rahsegel 4
Links sehen wir eine Galeone aus dem 16. Jahrhundert. Am Fockmast und am Grossmast sind Rahsegel gesetzt. Ferner befindet sich unter dem Bugspriet ein Rahsegel, die sogannte 'Blinde'. Am Besanmast ist ein Lateinersegel (s.u.) gesetzt.
Rechts ein Clipper unter 'Vollzeug', Zeitraum 19. Jahrhundert. Diese schnellen Schiffe hatten an allen drei bzw. vier Masten Rahsegel. Eine Besonderheit bei diesem Schiffstyp waren die weit außen befestigten 'Leesegel', auf der Marke deutlich erkennbar. Sie wurden bei Kursen mit achterlichen Wind an Verlängerungsspieren, die auf den Rahen befestigt waren, gesetzt. So wurde die Segelfläche vergrössert.
Das Rahsegel hat Jahrhunderte überdauert und wird noch heute auf Segelschulschiffen gefahren. Es hat seine großen Vorteile auf raumen Kursen, also bei schräg von achtern kommenden Winden, bei rauher See und stürmischen Winden. Der Nachteil liegt darin, dass man mit diesem Segeltyp nicht so hoch am Wind segeln kann wie mit anderen Segeln. Deswegen hatten viele Segler zu den Rahsegeln andere Segelarten in ihrem Rigg.


Luggersegel 1
Mattensegel
Luggersegel 4
Ein Luggersegel ist ein viereckiges Segel, das an einem schrägstehenden Rundholz befestigt ist. Dieses Rundholz ist auch nicht ganz in der Mitte, sondern seitlich versetzt am Mast befestigt. Die Segel der Dschunke, linke und rechte Marke, sind danach Luggersegel. Die Segel sind aus geflochteten Matten, sie werden durch lange Bambusleisten 'in Form' gehalten.
Auf dem Sampan, mittlere Marke sind die geflochtenen Matten gut erkennbar.


Lateinersegel 1
Lateinersegel 2
Ein Lateinersegel ist ein dreieckiges Segel, das an einer sehr schrägen Spiere bzw. Rundholz befestigt ist. In der Literatur findet man auch Angaben über eine schräge Rah, die weit über den Mast nach vorne hinausragt. Sie waren teilweise so lang wie oder länger als das Schiff. Dieser Segeltyp breitete sich ab dem 10. Jahrhundert im Mittelmeer aus. Sie wurden auf den Galeeren, linke Marke, und Galeassen gesetzt. Und sie waren auf allen Karavellen, Schebecken und Felukken des 15. und 16. Jahrhunderts zu finden, rechte Marke. Mit diesem Segel konnte man höher am Wind segeln als mit einem Rahsegel.


Sprietsegel 1
Sprietsegel 2
Das Sprietsegel tauchte in Holland im 16. Jahrhundert auf. Es war unmöglich, mit einem großen Rahsegler in den engen holländischen Gewässern zu kreuzen. So entwickelten sich damals fast zwangsläufig Spriet- und Stagsegel. Das Sprietsegel war ein einfaches rechteckiges Segel, dessen Vorderliek (vordere Kante) am Mast mit einer Reihleine befestigt war. Es wurde mit einer nach achtern schräggestellten Spiere gespannt. Wie auf beiden Marken zu sehen, war es auf vielen kleineren Segelbooten im Einsatz.


Gaffelsegel 1
Gaffel- und Topsegel
Eine Gaffel ist eine Holzspiere mit einer Gabel (Klau) am unteren Ende. An dieser Gaffel ist ein viereckiges Segel befestigt. Die schräge Gaffel stützt sich mit der Gabel gegen den Mast und umschliesst ihn teilweise. Segel werden mit Leinen, die man 'Fallen' nennt, am Mast hochgezogen. Das Gaffelsegel wird mitsamt der Gaffel mit einem Piekfall, gut zu sehen als Zickzack zwischen Gaffel und Mast auf der linken Marke, und einem Klaufall am Mast hochgezogen. Um den Mast ist das Gaffelsegel mit einer Leine oder mit Holzringen befestigt. Der untere Teil wird von einer Spiere, die man 'Baum' nennt, begrenzt. Im obere Zwischenraum zwischen Gaffel und Mastspitze wird oft ein dreieckiges Gaffeltopsegel gesetzt, rechte Marke. Der Schoner ist die 'America', die 1851 den ersten America's Cup gewann (siehe unsere Seite   über den America's Cup) .


Gaffelsegel 3
Gaffelsegel 2
Das Gaffelsegel entwickelte sich Mitte des 17. Jahrhunderts aus dem Sprietsegel. Es setzte sich schnell bei kleineren Seglern, Kuttern, Schonern und am Besanmast von Großseglern (Barken, Barkentinen) durch. Auf der rechten Marke sehen wir Gaffelsegel ohne einen 'Baum' am Unterliek, der unteren Kante des Segels. Dieser dargestellte Schiffstyp wird in Indonesien Pinisi genannt, gebaut nach dem holländischen Vorbild Pinasse. Auf der linken Marke ist ein Rettungskutter dargestellt, der aber eindeutig Luggersegel hat. Das erkennt man daran, dass die Spiere, an dem das Segel befestigt ist, seitlich am Mast vorbei führt.


Trapezsegel 2
Trapezsegel 1
Der Begriff Trapezsegel taucht nur in der speziellen Südsee-Literatur auf. Ein Trapezsegel ist ein viereckiges Segel in dem das Segel mindestens zwei parallele Seiten hat, diese Seiten aber nicht gleich lang sein müssen. Dies trifft auf das Segel des philippinischen Bootes, linke Marke, zu. Es ist aber auch gleichzeitig ein Luggersegel. Das Trapezsegel passt besser zu der abenteuerlichen Konstruktion auf der rechten Marke. Hier wird das viereckige Segel von zwei langen Spieren gespreizt. Diese Segel sollen aus Mattengeflecht bestanden haben.


Spreizsegel 1
Spreizsegel 2
Spreizsegel sind eine Besonderheit der Südsee. Es handelt sich dabei um Segel mit drei Seiten (Lieken), die von zwei Holzspieren auseinandergespreizt werden. Auf der linken Marke sind die Spieren zu einer krummen Form gebogen, rechts bilden die Spieren eine gerade 'V-Form'. Diese Segel werden auch ozeanische Dreieckssegel genannt.


Unter den Segelarten des Pazifiks gab und gibt es eine große Zahl ähnlicher, aber immer etwas anders konstruierter Segel mit den dazugehörigen Riggs. Ein Beispiel ist dieses Spreizsegel, das wegen seiner extremen Form Krebsscheerensegel genannt wird.
Krebsscheerensegel


Stagsegel 1
Stagsegel 2
Die Drähte, die einen Mast nach vorne und hinten festhalten, nennt man Vorstag und Achterstag. Die Drähte, die den Mast seitwärts halten sind die Wanten. Stagsegel sind dreieckige Segel, die an diesen Vorstagen gesetzt werden. Man findet sie immer vor dem Mast und zwischen zwei Masten, linke Marke. Auf der rechten Marke sind vor dem Mast zwei Stagsegel und zwischen den Masten ein Stagsegel zu sehen. Darüber befindet sich ein dreieckiges Schonersegel. Am zweiten Mast hinten ein Hochsegel. Man kann mit diesen Stagsegeln relativ 'hoch am Wind' segeln, d.h. bis ca. 30 Grad am Wind kreuzen.


Hochsegel
Hochsegel 2
Das Hochsegel, auch Bermudasegel, auch Marconisegel genannt, ist sehr stark auf heutigen Regattayachten und Tourenseglern verbreitet. Es ist ein dreieckiges Segel, das hinter dem Mast gesetzt wird. Es ist vorne am Mast und unten an einem waagerechten Baum befestigt, linke Marke.

Alle Segel haben auch bestimmte Namen, die sich daran orientieren, wo sie an Bord gesetzt werden. Ein Hochsegel am vorderen Mast, dem Großmast hat die Bezeichnung Großsegel, am hinteren Besanmast wird es kurz Besan genannt. Die drei Stagsegel vor dem Mast auf der linken Marke haben von innen nach aussen die Namen Fock, Klüver und Flieger. Eine relativ große Fock wird als Genua bezeichnet. Und auf einem Windjammer mit Fock-, Groß- und Besanmast hat das untere Rahsegel am Fockmast die Bezeichnung Fock. Auf der Rennyacht rechts sind die Kunstfaserbahnen deutlich zu sehen, aus denen heutige Segel zusammengenäht werden.


Spisegel 1
Spisegel 2
Gennaker
Auf den Touren- und Regattayachten werden bei achterlichen Winden besondere, ballonartige Segel gesetzt, um die Segelfläche zu vergrössern. Diese Segel werden Spinnaker, kurz auch Spi genannt. Auf der Luvseite wird der Spi mit einem Spinnakerbaum 'ausgebaumt' um das Segel breit zu halten, siehe linke Marke. Rechts haben wir einen Gennaker, eine Mischung aus Genua und Spinnaker. Dieses Segel benötigt keinen Spibaum. Der Gennaker wird auch Blister oder Flasher genannt. In der Mitte sehen wir eine Rennyacht mit Spinnaker und einem Blister.
Spinaker haben auf kleineren Yachten eine Segelfläche von 60 bis 80 qm, auf grösseren Rennyachten bis 400 qm. Sie bestehen meist aus sehr leichten Kunststoffbahnen. Es gibt spezielle Flautenspinnaker, die sich durch die Sonnenthermik aufblähen und das Schiff voranziehen.


Catsegel
modern rigg
Heute wird mit sogenannten Flügelsegeln experimentiert. Ein Beispiel ist der Catamaran 'Stars and Stripes', linke Marke, mit dem der Amerikaner Connor 1988 den America's Cup verteidigte( siehe unsere Seite   über den America's Cup) . Der Flügel setzte sich aus Vor- Mittel- und Hauptflügel zusammen. Dieser Hauptflügel war in sechs Teile geteilt, die alle einzeln steuerbar waren (siehe Marke). Als Baustoff wurde ein bestimmter Kohlefaserschaum, mit Polyesterfolie überzogen, eingesetzt.
In Zeiten teuren Brennstoffes hat man sich auf Segelunterstützung für Frachtschiffe und Kreuzfahrer besonnen und auch verschiedene in Fahrt gebracht, siehe rechte Marke. Dabei werden drehbare Stahlmasten mit klappbaren Stahlrahmen gebaut, zwischen denen das Segeltuch gespannt wird. Auf der rechten Marke ist die 1980 gebaute 'Shinaitoku Maru' zu sehen, ein kleiner Küstentanker mit 1.600 tdw. Nach drei Jahren Einsatz mit dieser Segelanlage wurde durch Vergleich mit einem Schwesterschiff eine Treibstoffersparnis von 15% ermittelt.


Calypso 2
Schon 1924 hatte der deutsche Flettner den Schoner 'Buckau' mit zwei 15,6 m hohen Rotoren versehen, die als Segelersatz dienten. Der französische Meeresforscher Cousteau liess sich als Nachfolge seiner 'Calypso' 1985 eine 'Alcyone' bauen, der nun eine 'Calypso 2' folgen soll. Auf beiden Schiffen sind bzw. werden sogenannte 'Turbo-Segel' installiert, die eigentlich Flügel sind, siehe Marke. Diese 'Segel' sehen ähnlich wie die Flettner Rotoren aus, aber sie rotieren nicht. Die 'Alcyone' hat zwei 'Turbosails', die je 10m hoch sind.
Auf der 'Calypso 2', für die noch Spendengelder gesammelt werden, wird nur ein Turbosegel mit einer Höhe von 26m errichtet. Ob die Segel-Zukunft so aussehen wird?


Einige Hinweise :
Zu diesen aufgeführten Segeltypen bzw. Segelarten existieren die mannigfaltigsten Versionen; z.B. unterschiedlich im Schnitt und in der Form , in der Größe und Segelfläche und im Material und der Materialstärke. Man teilt die Segel auch in Leichtwind- oder Sturmsegel ein. Bei Sturm setzt man relativ kleine Segel aus festem Material, bei geringen Windstärken leichte und größere Segel.
In der Antike wurden Segel aus Schilf, Blättern bzw. Matten oder Wolle geflochten, es gab auch Versuche mit Holzsegeln. Als man Stoffbahnen erstellen konnte wurden die Segel aus Leinentüchern erstellt, zuletzt aus Baumwolle. Seit ca. 40 Jahren benutzt man Kunststoffe wie Dacron, Mylar, Kevlar, Polyester, Nylon etc., man experimentiert mit Alufolien. Ferner werden verschiedene Kunststoffe in 'Sandwich-Bauweise' zu Segelbahnen übereinander laminiert.
Schratsegel ist ein Oberbegriff für alle längsschiff stehenden Segel mit einem mittschiffs liegenden Vorliek. Dieser Begriff bildete sich als Gegensatz zu den allgemein querschiffs stehenden Rahsegeln.

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