Seemotive :

Der Suez Kanal!
Die gestrichelte Linie auf dieser Marke zeigt den Umweg um das Kap der Guten Hoffnung, die weiße Linie den kurzen Weg durch den Kanal zwischen England und Indien.



Pharao Ramses II.

Barke aus dem Grabschatz des Tut-ench-Amun
Bereits in der Antike wurde schon mehrfach an einer Verbindung zwischem dem Nil und dem Roten Meer gebaut. Dieser Durchstich (Ta Tenat) wurde mehrfach erfolgreich realisiert und für die Schiffahrt genutzt. Allerdings verschlammte und versandete er immer wieder. Es waren stets andere "politische" Gründe wichtiger als die Unterhaltung des Kanals.
  • 20. Jahrhundert vor Chr., Pharao Sesostries beginnt den Bau eines Kanals, der unter seinem Nachfolger Amenemhet II. vollendet wurde. 200 Jahre später verfiel der Kanal.
  • Unter der Königin Hatschepsut (1490 vor Chr.) wurde ein zweiter Durchstich vom Nil zum Roten Meer gewagt. Doch für den Unterhalt des Kanals war bald kein Geld vorhanden, er verschlammte.
  • 13. Jahrhundert vor Chr., Pharao Ramses II. baut wieder einen Kanal, der aber auch wegen dem Einfall der Lybier schliesslich versandete.
  • 6. Jahrhundert vor Chr., Pharao Necho II. machte einen neue Durchstich zum Roten Meer, 120.000 Sklaven starben beim Bau, der Durchbruch wurde nicht geschafft.
  • 487 vor Chr., Darius I., König von Persien, vollendete den Necho Kanal.



Relief aus dem Totentempel der Königin Hatschepsut

Boote auf dem Nil
  • 100 nach Chr., der römische Kaiser Trajan eröffnete den "Kanal der Pharaonen", aber der bestand auch nur kurze Zeit.
  • 600 nach Chr., Wiedereröffnung des zwischenzeitlich verschütteten Kanals durch den Feldherrn des Kalifen Omar, Amr Ibn el As.
  • 1500, Venedig plante den Durchstich durch den Isthmus von Suez.
  • 1671, Gottfried Wilhelm Leibnitz setzte sich für einen Kanalbau ein und schrieb an Ludwig XIV.
  • 1798, Napoleon plante nach der Invasion in Ägypten eine Wasserverbindung zwischen dem Mittelmeer und Rotem Meer. Die von ihm beauftrage Kommission stellte einen Höhenunterschied von 9,908 m zwischen beiden Meeren fest. Der Plan wurde fallengelassen.


  • 1825, Gründung der "Societe d'etudes pour le canal de Suez" durch den Franzosen Barthelmy Prosper Enfantin und dem Engländer Ingenieur Stephenson. Das Projekt scheiterte.
  • Eine britische, französische und österreichische Studiengruppe stellte 1846 fest, dass das Rote Meer und das Mittelmeer eine fast gleiche Höhenlage haben, d.h. man brauchte keine Schleusen zu bauen.
  • 1856, der österreichische Ingenieur Alois von Negrelli entwickelte die Pläne zum Bau des Suez-Kanals.


Graf Ferdinand Marie de Lesseps durchlief eine Karriere im französichen diplomatischen Dienst. 1850 verliess er das diplomatische Corps. Er begab sich nach Ägypten und erhielt vom dortigen Vizekönig eine Konzession zum Bau des Suez Kanals.
1858 gründete er die Suez Kanal Gesellschaft "Compagnie Universelle Du Canal Maritime de Suez". Es wurde festgelegt, dass Ägypten den Kanal nach 99 Jahren zurückbekommen sollte. Es wurden 400.000 Aktien ausgegeben, von denen nur 186.000 gezeichnet wurden. 177.642 Aktien übernahm der ägyptische Vizekönig (Ägypten gehörte damals zum Osmanischen Reich).


Am 25. April 1859 begannen in Port Said, am Nordende des Kanals, die Bauarbeiten nach Negrellis Plänen. Die zu bewältigenden Schwierigkeiten waren ungeheuer groß. Alles Material, alle Werkzeuge, Maschinen, Kohle, Eisen, jedes Stück Holz mussten aus Europa geholt werden.
Ein weiteres Problem war das Trinkwasser für die 25.000 Arbeiter. Von den 1.800 Lastkamelen der Kompanie wurden allein 1.600 zum täglichen Transport des Trinkwassers eingesetzt. Deswegen wurde ein Süßwasserkanal gebaut, der vom Nil Trinkwasser zu dem Isthmus führte. Im Dezember 1863 war er fertiggestellt.


Als Arbeiter wurden Sklaven eingesetzt, die man nicht zu bezahlen brauchte.
Die Kanalgesellschaft stand mit verschiedenen Scheichs in Verbindung, die gegen ein Kopfgeld Sklaven zuführten.
Man brauchte auch keine großartige Technik. Es gab kein Felsgestein, die Sklaven lockerten den Boden mit primitiven Hacken auf und trugen die Erdklumpen mit bloßen Händen zur Böschung. Die Unterbringung der Arbeiter war der offene Sternenhimmel, Verpflegung und Wasser waren bis zur Eröffnung des Süßwasserkanals knapp. Wegen fehlender hygienischer Infrastruktur kam die Seuchengefahr dazu, 1863/64 grassierten Cholera und die Pocken, die Arbeiter desertierten.
Rund 1,5 Millionen Menschen waren am Bau beteiligt, ungefähr 125.000 starben hauptsächlich an der Cholera.
Als Mitte der 1860er Jahre die Sklaverei aufgehoben wurde mußte die Kanalgesellschaft Arbeiter aus aller Herren Länder anwerben und auch bezahlen.



Marke der Kanalgesellschaft

Podest für die Eröffnungsfeierlichkeiten
Am 18. März 1869 erfolgte der Einlass des Mittelmeerwassers in den Bittersee. Am 17. November 1869 fand die Eröffnung des Kanals mit diversen Festlichkeiten statt. Als erstes Schiff durchfuhr die französische Yacht "L'Aigle" den Kanal. Sie ist auf der ersten Marke auf dieser Seite im Hintergrund abgebildet.
Einige Daten: L x B x T - 90 x 10,5 x 4,4 m, tdw 2.011, Seitenraddampfer, Maschine 2.000 PS, 15 kn.
Angeblich komponierte Giuseppe Verdi seine Oper Aida für dieses Fest. Da Aida nicht zum Eröffnungstermin fertiggestellt war, wurde stattdessen Rigoletto aufgeführt. Aida wurde erst 1871 in Kairo uraufgeführt.


Die Baulänge des Kanals beträgt 162,5 km, die Gesamtlänge der Wasserstraße 190,25 km. Der Kanal nutzt fünf verschiedene Seen die auf seiner Strecke liegen. Er beginnt im Norden bei Port Said und endet im Süden bei Suez. Ziemlich in der Mitte liegt die Stadt Ismailia mit dem Gebäude der Kanalgesellschaft.
Im Norden ist der Kanal heute am Wasserspiegel 345 m und an der Sohle 215 m breit. Im Süden liegen die entsprechenden Maße bei 280 m und 195 m. Die Kanaltiefe ist 22,5 m.
Der Kanal hat keine Schleusen. Der Tidenhub im Norden beträgt nur wenige Zentimeter, im Süden jedoch ein bis zwei Meter. Dadurch entsteht im Kanal eine leichte Strömung, die die Böschung unterspült.
Auf einer Route von London nach Bombay beträgt die Wegverkürzung durch den Kanal 4.563 Seemeilen.



33. Jahrestag der Revolution 1985, Schiffe im Kanal

Schiffe mit einem Tiefgang von bis zu 62 ft dürfen den Kanal durchfahren. Zur Zeit wird der Kanal auf 66 ft vertieft.
Mit "Suezmax" bezeichnet man Tanker, die voll abgeladen den Suez Kanal noch passieren können; das sind Schiffe mit 120.000 bis 165.000 tdw.
Es gibt vier Lotsenstationen. Die Durchfahrt ist nur im Einbahnverkehr möglich. Die Schiffe werden zur Konvois zusammengefasst, der von Süden kommende Konvoi hat immer Vorfahrt. Im Norden bei El Ballah ist ein kurzer Ausweichkanal gebaut worden. Ebenso sind der Große Bittersee und der Timahsee Ausweichstellen.
Jedes Schiff muss einen Bugscheinwerfer für die Nachtfahrt mitführen. Die Kanalpassage dauert 12 bis 18 Stunden, abhängig von der Konvoirichtung und eventuellen Wartezeiten vor Port Said oder Suez.
Die Durchfahrtgeschwindigkeit ist auf 13 bis 14 km/h begrenzt.
Im ersten Jahr wurden lediglich 486 Passagen gezählt, 1887 durchfuhren 3.137 Schiffe den Kanal, heute sind es jährlich rund 15.000.
Im Jahr 2006 betrug die jährliche Einnahme zu Gunsten des ägyptischen Staates 3,6 Milliarden USD. Die Gebühren werden nach der Suez-NRT berechnet, jedes Schiff muss ein "Suez Canal Special Tonnage Certificate" haben; (72 Suez NRT entsprechen ca. 100 BRT).


the 'Murex'
Die 'Murex' war der erste Tanker der 1892 den Suez-Kanal passierte.
Um den Suez Kanal hat es konstant politische Auseinandersetzungen, Interventionen und Kriege gegeben.

Es begann damit, dass die Kanalgesellschaft Ägypten auf Schadenersatz verklagte, weil sie die Zwangsarbeit mit den Sklaven aufgehoben hatte. Ausserdem sollte Ägypten den Süßwasserkanal bezahlen.
Darüber entschied Napoleon III. und Ägypten musste 84 Millionen französiche Franken zahlen. Ägypten zahlte die Lohngelder, kaufte Maschinen und sorgte für die Nahrung der Arbeiter.
Das Land verkaufte seine Kanalaktien zu einem Spottpreis an Grossbritannien, konnte aber damit nicht mehr den Staatsbankrott abwenden.
England hatte 44% der Kanalaktien und war fortan tonangebend bei der Kanalgesellschaft, da die anderen Aktien größtenteils im französischem Streubesitz waren.



Nationalisierung des Suez-Kanals 1956
England und Frankreich verständigten sich und bestimmten indirekt die Politik des Landes. Die Lebenslage des ägyptischen Volkes verschlechterte sich.
Im Sommer 1878 sind 10.000 Menschen verhungert. 1881 brach ein Aufstand unter dem Motto "Ägypten den Ägyptern" aus. Das war nun ein willkommener Anlass für die Briten ihre Kanonenbootdiplomatie einzusetzen.
Vor Alexandria tauchten englische Kriegsschiffe auf. Der Aufstand wurde niedergeschlagen und Ägypten 1882 besetzt.
De facto war Ägypten eine britische Kolonie geworden.


Ägyptische Truppen im Kampf gegen landende Fallschirmspringer


1888 wurde durch die Konvention von Konstantinopel der Suez Kanal zu einer neutralen Zone erklärt. Handels- und Kriegsschiffe sollten zu Friedens- und zu Kriegszeiten stets freie Durchfahrt haben.
Grossbritannien wurde die Schutzherrschaft übertragen, d.h. die englischen Truppen blieben weiter in Ägypten.
Im ersten und im zweiten Weltkrieg wurde ebenfalls um den Kanal gekämpft.


1922 wurde das britische Protektorat aufgehoben, Ägypten wurde Königreich. Dennoch behielt England die Kontrolle über die Kanalzone.
1936 wurde dies vertraglich abgesichert. Nutznießer des Kanals blieb die Kanalgesellschaft.



Suez Canal is an integral part of Egypt

Wasserversorgungsgebiet des Kanals
1956 brauchte der ägyptische Präsident Nasser Geld zum Bau des Assuan Staudammes, dass ihm durch politische Manöver des amerikanischen Aussenministers verwehrt wurde. So verstaatlichte er den Kanal am 26. Juli 1956.
Dies löste unter anderem die Suezkrise aus.
Der bestehende Konflikt zwischen Ägypten und Israel, das sich zunehmend Angriffen durch Fedajin von ägyptischem Territorium aus erwehren musste, verschärfte sich. Ägypten blockierte den Golf von Akaba und sperrte den Suezkanal für israelische Schiffe. Nasser verletzte somit internationales Recht.
Am 29. Oktober 1956 griffen israelische, britische und französische Truppen Ägypten an. Durch das Eingreifen der UNO, der USA und der UdSSR wurde die Auseinandersetzung jedoch relativ rasch beendet und der Kriegsschauplatz bereits am 22. Dezember 1956 wieder geräumt.
Versenkte Schiffe versperrten die Durchfahrt jedoch noch bis 1957.


Wiedereröffnung des Kanals 1957


10.Jahrestag der Nationalisierung des Kanals 1966, im Hintergrund Gebäude der Kanalgesellschaft


1967 explodierten die Spannungen zwischen Ägypten und Israel wieder zu einem Krieg. Im Sechstagekrieg rückte Israel wieder bis zum Kanal vor und besetzte sein Ostufer vollständig.
Dem Sechs-Tage-Krieg ging unmittelbar die Sperrung der Straße von Tiran für die israelische Schiffahrt und ein Aufmarsch arabischer Armeen an den Grenzen Israels voraus.
Ein Konvoi mit 14 Handelsschiffen befand sich im Kanal und musste im Großen Bittersee ankern. Während der Krieg nur sechs Tage dauerte, blieben diese Schiff acht Jahre im Kanal eingesperrt, denn der Kanal blieb von 1967 bis 1975 geschlossen.
Israel belagerte das Ostufer des Kanals. Im Oktober 1973 durchbrachen ägyptische Streitkräfte die Ostuferblockade und Israel räumte die Kanalzone.
Und als man mit den Aufräumarbeiten begann, mußten 12 Schiffe und verschiedene Schuten gehoben werden, dazu rund 110.000 Minen, Bomben und Raketen entschärft und entfernt werden.
Zu den eingesperrten Schiffen siehe hierzu die ausführliche Seemotive Seite:
Post vom Großen Bittersee!



Kampfgebiet am Suez-Kanal Oktober 1973, Präsident Sadat.

1981, 8. Jahrestag der Überquerung des Suez-Kanals.



Wiedereröffnung des Kanals 1975

1980, 5. Jahrestag der Wiedereröffnung des Suez-Kanals, Friedensengel


Wiedereröffnung des Kanals 1975,
das griechische Schiff "Olympos" darf mit einer für den israelischen Hafen Eilat bestimmten Ladung den Kanal passieren!


Brücke bei El Kantara über und der Ahmed Hamdi Tunnel unter dem Suez-Kanal, der 14 km nördlich von Suez liegt.

Einweihung der Brücke 2001



1980 Eröffnung des dritten Arms des Suez-Kanals

2006, 50 Jahre Nationalisierung des Kanals

Laden von Waren als Symbol des wachsenden Handels


Im August 2014 haben die ägyptischen Behörden angekündigt, den Suezkanal durch eine neue Trasse zu entlasten, siehe im Block links oben.
Geplant ist der Bau einer zweiten, kleineren Wasserstraße parallel zur bereits existierenden Route.
Der neue Kanal soll mit einer Länge von 72 Kilometern den 163 Kilometer langen Hauptkanal entlasten.
Als Bauzeit wurden 3 Jahre genannt, die Kosten sollen bei vier Milliarden Dollar liegen. Allerdings wurde der Bau in einem Jahr geschafft, siehe unten.



Fehler bei der mittleren Marke.
Abgebildet sind Schleusen vom Panamakanal.
Im Suezkanal gibt es keine Schleusen. Der Block wurde zurückgezogen und dann der obige Block herausgegeben.
Suez


Suez

Karte aus W. Fellmann, Schiffe im Nadelöhr

Suez
Von 2014 bis 2015 wurde der Kanal erweitert. Auf 35 km wurde eine neue Fahrrinne gegraben, auf 37 km wurde der Kanal vertieft und erweitert. So entstand eine 72 km lange neue zweispurige Fahrrinne. Der Kanal ist jetzt in beiden Richtungen parallel passierbar, Konvoifahrten entfallen. Die Durchfahrzeit verkürzt sich von rund 22 auf 11 Stunden. Dadurch können die täglichen Schiffspassagen von ca. 49 (2014) erheblich ansteigen, d.h. ebenso die Einnahmen.
Sensationell war die kurze Bauzeit von nur einem Jahr. Die geplanten Kosten stiegen allerdings von 4 auf 9 Milliarden US-Dollar.
Der Block "New Suez Canal 2015" zeigt deutlich, dass der Kanal nun in beiden Richtungen passierbar ist.

Unten der Ersttagsbrief dazu.

Suez
Suez



Suez
Quellen:

Wikipedia Internet Lexikon

W. Fellmann, Schiffe im Nadelöhr, VEB Brockhaus

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