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Seemotive,
Forschungs-Tauchboote!
Unterseeboote, Teil 1
Die 'Trieste' am tiefsten Punkt des Ozeans!


Die Forschungstauchboote sind der erste, 'friedliche' Teil zum Thema U-Boote, die militärisch genutzten Unterseeboote folgen in einem zweiten und dritten Teil.


Der Menschheitstraum, in die dunkle Meerestiefe hinabzutauchen, ist sicherlich so uralt wie der vom Fliegen. In vielen Sprachen rund um das Mittelmeer ist die Sage von Alexander dem Großen überliefert: "Siebzig Tage saß der große König in seinem gläsernen Boot tief drunten im Meer und betrachtete die Wunder und Ungeheuer der Tiefe. Dabei hat er einen Fisch entdeckt, der so groß war, daß es drei Tage dauerte bis er vorbeigeschwommen war..." (linke Marke)
Rechts sehen wir den Prototyp des ersten gebauten Bootes des genialen Kontrukteurs John Philip Holland, die 'Holland No.1'. Die Versuche im Jahre 1878 waren erfolgreich. Danach baute Holland noch viele militärische U-Boote.



1897 baute der amerikanische Schiffbauer Simon Lake die 'Argonaut I'. Das Boot hatte ein Maschine mit Gasoline Betrieb für Überwasser- und Unterwasserfahrt und Räder für den Meeresboden. Luft bekam man über Rohre von der Meeresoberfläche. 1898 schaffte das 10,8m lange Boot eine Fahrt von Norfolk nach Sandy Hook.


William Beebe und Otis Barton drangen als erste Menschen in die Welt der ewigen Finsternis ein; und sie kehrten lebendig zurück! Sie tauchten in einer Stahlkugel, die sie Bathysphähre nannten, griech. "tiefe Kugel". Die Kugel wog 2250 kg, hatte einen Durchmesser von 1,43m und eine Wandstärke von 3,81cm. Die Kugel hing an einem Stahlkabel, daneben lief ein Hartgummischlauch für die Elektrizität und Telefon. 1930 tauchten sie 427,8m tief, 1932 erreichten sie 660m, 1934 908,4m. (Wenn man etwas über Tauchboote schreibt, darf diese 'Kugel' einfach nicht fehlen!)


Nach dem zweiten Weltkrieg begann die Entwicklung von Tiefsee-Tauchfahrzeugen, die ihre Besatzung von der Meeresoberfläche unabhängig machten. Wegweisend war der von Auguste Piccard 1948 entwickelte Prototyp des Bathyscaphen, griech. "tiefes Schiff". Das Boot nannte er F.N.R.S.2, die Abkürzung steht für Fonds National de la Recherche Scientific, der Fonds finanzierte Piccard. (Die F.N.R.S.1 war ein Ballon, mit dem Piccard Höhenforschung betrieben hatte.) Bei dem ersten unbemannten Test erreichte er mit diesem Boot 1.350m, später 4.052m (13287ft).


1953 bauten Prof. Piccard und sein Sohn Jacques den Bathyscaphen 'Trieste'. Das Boot war 15m lang, darunter war einen Stahlkugel mit einer Wandstärke von 9cm, Durchmesser 2,16m und das Plexiglas der Fensterscheiben war von 15 bis 40 cm dick, je nach Art der Krümmung. Für das Ab- und Auftauchen hatte man einen großen Tank mit Benzin (leichter als Wasser) und Tanks mit kleinen Stahlkugeln. 1957 erreichte das Boot 3.117m. 1958 wurde die 'Trieste' an die US-Navy verkauft. 1959 ließ man bei Krupp, Deutschland eine neue Stahlkugel bauen und 1960 war es dann soweit. Don Walsh und Jacques Piccard erreichten mit der 'Trieste' den tiefsten Punkt der Erde, 10.700m, (35800ft), das Challenger Tief im Marianengraben vor Japan. Dieses Tief war 1951 vom britischen Forschungsschiff 'Challenger II' entdeckt worden.
Nachdem dieses Ziel erreicht war begann die wissenschaftliche Tiefsee-Forschung. Aber auch die Marine nutzte die Tauchboote. Als 1963 das U-Boot 'Thresher' vor der Küste Neu-Englands sank wurde die 'Trieste' eingesetzt, das Wrack zu finden. Und es wurde bald eine 'Trieste II' gebaut.


Die Franzosen waren immer sehr aktiv in der Tiefsee-Forschung. Die 'Archimede' war ein weiterer französischer Bathyscaph der auf unzähligen Forschungsfahrten weltweit eingesetzt wurde, z.B. bei der Erforschung des Mittelatlantischen Rückens. Viele Fahrten waren nicht spektakulär sondern wissenschaftlich. Das Boot erreichte eine Tiefe von 9500m.

Jacques Piccard entwickelte ein Boot, das in mittleren Wassertiefen schweben konnte. Es wurde dann als Mesocaph bezeichnet, griech. "mittleres Boot" und bekam den Namen nach dem Entdecker des Golfstroms 'Ben Franklin'. Das Boot sollte sich eben in diesem Golfstrom treiben lassen um die Wasserschichten zu erforschen. Interessant ist es, daß das Boot von der Raumfahrtbehörde NASA in Auftrag gegeben wurde. Die NASA wollte herausfinden, wie Menschen über einen langen Zeitraum auf kleinstem Raum miteinander auskommen. Diese Drift im Golfstrom fand 1969 statt und dauerte vier Wochen.


Mit Jacques-Yves Cousteau begann die Entwicklung kleiner, beweglicher Tauchboote, die man leicht auf Schiffen transportieren und auch zwischendurch warten konnte. 1957 machte er den ersten Test mit seiner 'Untertasse, der Soucoupe'. Das Boot wurde beim ersten Test an einem Kabel herabgelassen, erreichte 600m Tiefe. Beim Hochhieven riss das Kabel und das Boot versank. Es wurde nicht gehoben sondern ein Neues gebaut. Das Boot hatte einen Greifarm, Kameras, Scheinwerfer und Antriebsdüsen. Die Sauerstoffversorgung reichte für zwei Personen 24 Stunden. Cousteau nahm die 'Soucoupe' ab 1959 auf seinem Forschungsschiff 'Calypso' mit.


Auf dieser Marke sehen wir wohl den bekanntesten Ozeanographen unser Zeit, Dr. Robert Ballard. Er war lange Jahre Professor und Direktor an einem ozeanographischen Institut, er war bei der Erforschung des Mittelatlantischen Rückens dabei, bei der Entdeckung der 'schwarzen Raucher', fand die 'Titanic', die 'Bismarck', erforschte die 'Britannic', die 'Lusitania', und und und .....
Daneben das ebenso berühmte Tauchboot 'Alvin', die bereits 1964 gebaut wurde, 1968 bei einer Tauchfahrt versank, 1969 wieder gehoben wurde, mehrfach umgebaut wurde und noch heute im Einsatz ist. Sie macht zur Zeit ca. 150 Tauchfahrten im Jahr!
Die 'Alvin' hat eien Länge von 7,2m, eine Höhe von 3.6m, Breite von 2,5m, kann gut 4000m tief tauchen, drei Personen an Bord nehmen, Tauchdauer 6-10 Stunden. Zwei Greifvorrichtungen heben 250 Pfund, max. Geschwindigkeit 2kn. Das Boot ist vollgestopft mit Computern, Kameras und div. Messgeräten.


Ende der 70er, Anfang der 80er hatte sich eine neue Vorgehensart bei den Tauchexpeditionen durchgesetzt. Zuerst wurde mit Sonargeräten vom Forschungsschiff aus die Unterwasserlandschaft kartographiert. Dann schleppte man Kamerasysteme eben über den Meeresboden um interessante Stellen oder die gesuchten Objekte zu finden. Bekannte Schleppsysteme sind/waren 'Angus', 'Argo' und auf dieser Marke 'Deep Tow'. Diese Systeme hatten Kameras und Seitensonaranlagen. So konnte man mit ihnen einen Suchstreifen von 200 bis 300m Breite abdecken. Danach schickte man die bemannten Tauchboote wie 'Alvin', 'Cyana' oder 'Nautile' hinunter um bestimmte Gebiete genau zu untersuchen.
In weiteren Entwicklungen wurden/werden AUV's (autonomous underwater vehicle) bzw. ROV's (remotely operated vehicle) eingesetzt. Das sind unbemannte, ferngesteuerte Robot-Fahrzeuge. Auf der unteren Marke sehen wir 'Alvin' über der 'Titanic' schweben. An einem Kabel wird der Robot 'Jason jr.', ferngesteuert von der 'Alvin' in das innere des Wracks geschickt. So geschehen 1986, an Bord der 'Alvin' war Robert Ballard.
'Jason jr.' gelangte sogar in die Kapitänskajüte der 'Titanic'! Das Schiff liegt in 3740m Wassertiefe.

Auch die US-Navy nutzte die Tauchboote. 1966 fand 'Alvin' eine bei einem Bomberabsturz verlorengegangene (nicht scharfe) Wasserstoffbombe vor der spanischen Küste. Die 'Trieste', die 'Trieste II', die 'Argo' und 'Jason jr' wurden bei der Suche und weiteren Untersuchung der untergegangene US-U-Boote 'Thresher' und 'Scorpion' eingesetzt. Als 1968 ein sowjetisches U-Boot mit Codebüchern und Atomsprengköpfen im Pazifik versank wurde das Tauchboot 'Halibut' heimlich hinuntergeschickt.


Im zweiten Weltkrieg, 1941 wurde das deutsche Schlachtschiff 'Bismarck' von der englischen Marine in der Biscaya versenkt. 2106 Marinesoldaten starben. 1989 findet Robert Ballard mit seinem Schleppsystem 'Argo' die 'Bismarck' in 4790m Tiefe. Das Schiff liegt auf ebenem Kiel, ähnlich wie bei der 'Titanic', die Gefechtstürme sind herausgefallen. Ballards Aufnahmen bestätigen deutsche Theorien, daß die 'Bismarck' durch Selbstversenkung untergegangen ist.
Auch Russland beteiligte sich an der Tiefseeforschung. 1987 bauten sie zwei Tauchboote 'Mir-1' und 'Mir-2'. Beide Boote können bis 6000m tauchen und 17 bis 20 Stunden unter Wasser bleiben. Obwohl mit den Booten auch Forschungsfahrten gemacht wurden, wurden sie erst richtig bekannt als die Russen mit ihnen Tauchfahrten zur 'Titanic' für 35.500 Dollar pro Person anboten und durchführten. Ein Pilot und zwei 'Besucher' haben in dem Boot Platz. Acht Stunden dauert eine Fahrt hinunter. Auch der amerikanische Regisseur James Cameron hatte ein russisches Boot gemietet, als er 1995 seinen Film drehte. An der 'Titanic' sind auch Beschädigungen durch die Tauchboote entstanden. Russen und Franzosen beschuldigen sich gegenseitig. Denn 1993 holten die Franzosen mit ihrer 'Nautile' viele Gegenstände von der 'Titanic' an die Oberfläche.


Anfang der 70er bauten die Franzosen das Tauchboot 'Cyana', eine Weiterentwicklung von Cousteaus 'Soucoupe'. Dies Boot hat bis heute über 1300 Tauchfahrten unternommen und war zusammen mit 'Alvin' und 'Archimede' an vielen gemeinsamen Expeditionen beteiligt. Ihre Daten sind: Länge 5,7m, Breite 3,2m Höhe 2,7m, Tauchtiefe 3000m, drei Mann Besatzung, Geschw. 2kn, Einsatzzeit 6-10 Stunden unter Wasser.
Auch die Japaner bauten bemannte Tauchboote! Der 'Shinkai 2000' folgte die 'Shinkai 6500'. Beide Zahlen sind Angaben, wie tief die Boote tauchen können. An Bord passen ebenfalls drei Personen. Die Japaner nehmen immer zwei Piloten und einen Forscher mit.


'Jason' ist ein unbemanntes, ferngesteuertes Fahrzeug (ROV), das an ein Schleppsystem wie 'Argo' oder 'Medea' angekoppelt wird. Er ist ein Tiefseeroboter mit Eigenantrieb, Scheinwerfern, Kameras und Greifarmen. Er wird immer in schwierigem, gefährlichen Gelände eingesetzt. Mit der 'Jason' hat R.Ballard 84 Fernsehsendungen für Schulkinder in Nordamerika gestaltet. Ca. 220.000 Kinder hatten so ein römisches Wrack und einen Unterwasservulkan im Mittelmeer erforscht.
'Curv III' ist ebenso ein ferngesteuerter Roboter (ROV), der extra für Tiefseebergung konstruiert wurde. Der Robot kann bis 6000m eingesetzt werden. Innerhalb des 'Curv' befindet sich noch ein kleines Bergungs-Fahrzeug. In 'Curv III' ist das Neueste, was es in der Tiefseetechnik gibt, integriert!


Wenn sie sich die zweite U-Bootseite über den Zeitraum von 1761-1939 ansehen wollen, brauchen sie nur auf diese Zeile zu klicken.

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