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Seemotive :
Altes,   Neues,
      Katastrophales!
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Das 'Prestige' Desaster!
Die Ölpest vor Spanien hätte verhindert werden können!
Diese Seite hat nichts mit Philatelie zu tun. Hier werden alte, neue und auch katastrophale
Nachrichten aus der Seefahrt kommentiert.
Weil aus Copyrightgründen hier keine Fotos gezeigt werden können, stammen die
Bilder aus einem Film und sind deswegen leider etwas unscharf!
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Tanker 'Prestige' (ex. Gladys), gebaut 1976 in Japan ('quick and cheap'),
42.820 BRT, Länge 243 m, Klassifikationsgesellschaft American Bureau of Shipping,
zuletzt 1999 bei der MOU (s. unten) ohne große Beanstandungen inspiziert.
Das Schiff gehörte der Reederei 'Mare Shipping' in Liberia. Es war registriert
auf den Bahamas (Flagge), in England versichert, von der Schweizer Rohstofffirma 'Crown Resources'
gechartert, die der Alfa Gruppe in Russland gehört.
Im November 2002 wurde das Schiff mit
77.000 Tonnen Schweröl, in Ventspils, Lettland beladen. Bestimmt war die Ladung für
Singapur.
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In einem Sturm vor der spanischen Küste geriet der Tanker in Seenot.
Nach einem Maschinenausfall trieb das Schiff mit einer Schlagseite von 25 Grad
in schwerer See auf die Küste zu. Aus einem 35m langen Riss lief Öl aus,
ein Durchbrechen des Schiffes drohte. 27 Crewmitglieder wurden
mit Hubschraubern geborgen, Kapitän, 1.Offizier und ein Maschinist blieben an Bord.
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Als die Maschine wieder lief, wollte der Kapitän einen Nothafen anlaufen, doch
die spanischen Behörden gestatteten es nicht.
Vier Schlepper zogen das Schiff von der Küste weg. Man wollte es aus den Fischgründen
weit nach Süden auf die offene See schleppen.
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Die spanische Marine versuchte durch Bombenabwürfe das ausgelaufene Öl in Brand
zu setzen. Die Detonationswellen schwächten auch den Rumpf des 26 Jahre alten Schiffes
derart, dass er zerbrach.
Das Schiff ging am 19. November 2002 unter. Es liegt in ca. 3.600 m Tiefe 133 Seemeilen vor
der spanischen Küste bei Kap Finisterre.
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Schweröl wird genannt, was in Raffinerien als Abfall übrig bleibt. Man kann
damit noch große Maschinen, Schiffe, Kraftwerke befeuern. Es ist aus
europäischer Sicht giftiger, ätzender Sondermüll. Ein Tropfen im Gefieder
einer Möwe reicht aus, um das Tier umzubringen.
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Zum Zeitpunkt des Untergangs waren angeblich noch 40 - 50 Tausend Tonnen an Bord.
Anfangs sickerten 125 Tonnen täglich aus dem Wrack, dann 80, jetzt im Febr. 2003 nur noch
zwei. Mit dem Tauchboot 'Nautile' des französische Spezialschiffes 'Atalante' wurden
17 Risse von 26 mit Aluscheiben geflickt.
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Ein Druck von 360 Atmosphären lastet konstant
auf dem Wrack. Da können immer wieder neue Risse entstehen.
Experten rechnen damit, das der Rumpf in zwei bis vier Jahrzehnten so zerfallen sein wird,
dass die restlichen rund 50.000 Tonnen aus den platzenden Tanks entweichen würden.
Wenn man den Rumpf nicht ganz abgedichtet bekommt, werden noch bis 2006 Ölschlieren an
die Meeresoberfläche aufsteigen, siehe Bild links.
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Die schlimmste Ölpest aller Zeiten verseuchte und verseucht noch drei Monate danach
ca. 2900 km (!) der spanischen und französischen Küste.
Immer wieder treiben neue Ölteppiche an Land. Zeitweise arbeiteten und arbeiten
bis zu 6.000 Menschen aus vielen Ländern an den Stränden. Hunderte von Booten
kämpften und kämpfen auf See gegen die schwarze Flut.
Fische und Seevögel sterben in Schaaren. Tote Meereschildkröten, Delphine und
Wale trieben an die Küste. Wo früher Muschelbänke waren
finden Taucher nur noch ölverkrusteten Meeresboden!
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In den betroffenen Regionen leben ca. 60.000 Menschen von der Fischerei, dem Muschelfang und
dazugehörigen Tätigkeiten. Sie hatten zum Teil drei Monate kein Einkommen.
Die spanische Regierung versagte auch bei der Unterstützung der eigenen Bevölkerung.
Die 'Mañana' Mentalität liess viele verzweifeln!
Der Gesamtschaden konnte im Februar 2003 noch nicht beziffert werden. Man kalkuliert aber alleine
die Reinigungskosten der Küsten und die Ölbekämpfung auf dem Meer
auf über eine Milliarde Euro's.
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In Europa gilt das sogenannte MOU - Memorandum of Understanding. Es schreibt
Sicherheitüberprüfung in den Häfen vor:
Jedes vierte Schiff muß von den Küstenstaaten auf seine Seetauglichkeit
überprüft werden.
Die IMO (International Maritime Organization) mit der
Marpol (Marine Pollution) Konvention schreibt vor, dass ab 2015 nur Doppelhüllentanker
die Meere befahren dürfen (OPA, Oil Pollution Act). Alle neuen Tanker müssen bereits
seit 1996 mit einer Doppelhülle gebaut werden.
Aber es gibt wie immer Ausnahmeregeln. Die Flaggenstaaten
können neue Einhüllentanker bis zu 25 Jahre fahren lassen, wenn sie bestimmte technische
Anforderungen erfüllen.
Weltweit fahren 3620 Einhüllentanker über die Weltmeere,die älter als 25 Jahre sind.
Experten bezeichnen sie als schwimmende Zeitbomben!
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Nach heutigem Seerecht kann ein Schiffseigentümer sein Eigentum am Wrack oder an Ladungsteilen
aufgeben und sich so jeder Verantwortung entziehen. Dies war z. B. bei der Strandung
der 'Pallas' so, dass die gesamten Folgekosten von 3 Mio Euro vom Steuerzahler zu begleichen
waren.
Bei Tankerunfällen zahlt der internationale Ölschadenfonds IOPC (International Oil
Pollution Compensation Fund) immer einen gewissen Betrag, der aber in diesem Fall nur ein
Minimum der Kosten decken kann. Angeblich zahlt der Fonds nur 180 Mio Euro.
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Der griechische Kapitän der 'Prestige' wurde von den spanischen Behörden verhaftet.
Er sei für die Ölpest mitverantwortlich weil er das Abschleppen zunächst
verhindert und absichtlich die Maschine abgestellt hatte. Das war wohl eine Massnahme
der Behörden um von den eigenen katastrophalen Fehlern abzulenken.
(Auf dem linken Bild sieht man aufsteigendes Öl aus dem gesunkenen Wrack.)
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Das ganze Ausmaß dieser Ölpest wurde von den spanischen Behörden selbst
verursacht! Statt den Tanker auf das
offenen Meer zu ziehen hätte man ihn in eine der zahlreichen, ruhigen Buchten oder in einen
Hafen
schleppen müssen. Dort hätte man ihn leerpumpen können, man hätte einen
Absperrgürtel um das Schiff legen können. Die Katastrophe wäre nicht eingetreten.
Man zerrt kein leckes Schiff im Sturm durch die See. Und man wirft dann auch keine Bomben
in seiner Nähe ab!
Der Kapitän hatte mehrmals versucht, eine Genehmigung zu bekommen, um einen Hafen anzulaufen.
Viele Experten geben ihm Recht!
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Diese Seite wurde im Februar 2003 geschrieben!
Stand im November 2003, ein Jahr nach der Katastrophe :
- Rund 64.000 Tonnen von den 77.000 Tonnen Öl sollen ausgelaufen sein.
- Das mit der Bergung der restlichen Ladung der Prestige beauftragte spanische
Unternehmen Repsol geht davon aus, dass sich nur noch 13.800 Tonnen
in den Wrackteilen befinden. Täglich treten noch ca. 20 Liter Rohöl aus,
doch den Großteil der Lecks haben die Unterwasser-Roboter von Repsol abdichten
können.
- Noch immer treiben Ölteppiche an Land, sogar bis an englische und belgische Küsten.
- Rund 3000 km Strand sind kontaminiert. Oberflächlich sind die meisten Strände
gereinigt, aber zwischen den Klippen und in den Netzen der Fischer stecken immer noch
Ölklumpen.
- Nach einer Untersuchung der Universität von La Coruna weisen Muscheln, Krabben,
Garnelen und Fische erhöhte Schadstoffwerte auf.
- Die Untersuchung spricht auch von 20.000 bis 30.000 Tonnen Schweröl, das sich
auf dem Meeresgrund abgelagert hat oder noch auf dem Atlantik treibt.
- Der Kapitän wartet immer noch auf seinen Prozess, obwohl es besonders viele
Solidaritätsbekundungen weltweit für ihn gab. Das Nautical Institute, dass
Nautiker weltweit repräsentiert, lobt die Massnahmen des Kapitäns als
heldenhaft. Auf Kaution aus dem Gefängnis entlassen, darf er Spanien nicht verlassen.
- Die Klassifikationsgesellschaft American Bureau of Shipping (ABS) stellte u.a.
fest:
- Das Anfangsleck, Wassereintritt in zwei Stb. Ballasttanks,
verursachte eine Krängung von 24 Grad. Es herrschte Windstärke 8. Dennoch hat
eine Analyse ergeben, dass das Schiff ein positives aufrichtendes Moment beibehielt.
Die Besatzung gab zu Protokoll, dass vermutlich ein Unterwasserobjekt gegen das
Schiff krachte und die Verbände erzittern liess.
- Um die aufgetretene Krängung zu reduzieren liess der Kapitän zwei Bb. Tanks
gegenfluten. Die Schlagseite ging auf 3-5 Grad zurück.
Nach ABS Meinung ist dadurch ein 'Overstressing' entstanden, der letztendlich zum
Auseinanderbrechen geführt hat.
- Die International Maritime Organization (IMO) stellte erstmal fest, das bei dem Unfall
kein Menschenleben verloren wurde. Weiter wurde genannt, dass die 'Prestige',
gebaut 1976 als Einhüllentanker, nach den bestehenden Bestimmungen 2005 hätte
verschrottet werden müssen.
- Die IMO verlangte von dem Flaggenstaat Bahamas eine
ernsthafte Untersuchung. Ferner sollen einige Bestimmungen verschärft worden sein,
MARPOL 13G Report (Marine Pollution). Dieser Bericht regelt die Fahrzeiten und
Verschrottung der Einhüllentanker.
- Zum Thema Schutzhafen für hilfebedürftige Schiffe hat ein Unterausschuss
der IMO verschiedene Richtlinien erarbeitet, die Kapitäne, Küstenstaaten
und Flaggenstaaten befolgen sollten.
- Spanien und Frankreich haben ein Durchfahrtverbot für bestimmte Tankschiffe erlassen.
- Das europäische Parlament und der Ministerrat kündigten ein
Verordnungspaket an:
- Der Transport von Schweröl nach europäischen Häfen soll nur noch mit
Doppelhüllentanker zugelassen werden. Dies gilt für Schiffe ab 600 tdw.
- Die Altersgrenze für Einhüllentanker soll weiter herabgesetzt werden,
Tanker die 25 Jahre und älter sind wird das Anlaufen europäischer Häfen
verweigert.
- Alle Tanker über 15 Jahre sollen einem 'Condition Assessment Scheme'
unterworfen werden, d.h. nach einem Sicherheitstandard geprüft werden.
- Die Strafandrohungen sollen verschärft werden.
- Der finanzielle Schaden ist immer noch nicht absehbar. Schätzungen bewegen
sich angeblich zwischen einen und zehn Milliarden Euro!
Nachricht vom 4. Oktober 2004:
Das Spezialschiff 'Odin' hat weitere 13.600 Tonnen Öl aus dem in 4.000m ligenden Wrack
herausgepumpt. Die restlichen 1.600 Tonnen Öl im Rumpf der 'Prestige' sollen durch Bakterien
biologisch unschädlich gemacht werden. Damit ist das Öl-Abpumpen aus dem Wrack beendet.
Nachricht vom 15. November 2004:
Zwei Jahre nach der Katastrophe sind in Spanien über zwanzigtausend Menschen auf die Strasse gegangen und
skandierten "Nie mehr"! Sie forderten die Zahlung noch immer ausstehender Entschädigungen und sie forderten
strengere Vorschriften, damit sich so ein Unglück nicht wiederhole. Noch immer sammeln sich in den Netzen
Ölklumpen, noch immer sind einige Gebiete nicht gereinigt. Nach offiziellen Angaben sind noch 1.500 Tonnen
Schweröl im Tanker, an die man aber nicht herankommt. Unabhängige Experten befürchten, dass
deutlich mehr Öl im Tanker geblieben ist, er sei eine ökologische Zeitbombe. In der Zwischenzeit
ist eine Klageflut angelaufen. Prozesse werden gegen den Kapitän angestrengt, gegen die spanischen Seebehörden,
gegen das Schiffsregister ABS, das der 'Prestige' Seetüchtigkeit bescheinigte.
*****   Nachricht vom 23. November 2006:   *****
Vier Jahre nach dem Untergang des Tankers "Prestige" haben sich an der Unglücksstelle wieder grosse
Ölteppiche
auf dem Atlantik gebildet. Die spanische Regierung bestätigte, dass das Öl aus dem Wrack stammt. Die
Ölflecken haben einen Umfang von 20 Kilimetern. Nach Ansicht der Madrider Behörden besteht kein
Anlass zur Besorgnis!
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