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Seemotive :
Einbäume und Pirogen Afrikas !
von Wolfgang Rehmer
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| Ägypten - Sudan
Eine AGHABE ist ein plumpes, einmastiges Frachtschiff mit Lateinersegel und flachem
Rumpf, das auf dem Nil in Ägypten und im Sudan bis zum 19. Jhd. eingesetzt wurde.
Wegen seines niedrigen Tiefgangs konnte es auch noch bei ganz niedrigen Wasserständen eingesetzt werden.
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Die GAIASSA aus Ägypten ist ein langes, flachgehendes Leichterfahrzeug mit
aufgerundetem Bug, fast geradem Heck und großem Ruder.
Die kleinen Gaiassas haben nur 1 Segel, die größten bis zu 3, davon zwei große,
elegant geschnittene, die ähnlich den ersten Lateinersegeln in Europa bis zum
Masttopp vorgeheißt waren.
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| Tunesien - Marokko - Spanisch Sahara
An den afrikanischen Mittelmeerküsten sind heute fast ausschließlich europäische
Wasserfahrzeuge in Gebrauch.
Eine Ausnahme bildet Tunesien, wo es den LAOUTELLO, einen einheimischen Zweimaster
mit Lateinsegel, gibt.
Seine beiden Segel haben die typische Dreiecksform des ältesten Typs, wobei das
vordere Segel etwa doppelt so groß wie das Hecksegel ist.
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| Äthiopien - Sudan
Eine AMBATSCHE ist ein bootsähnliches Floß aus dem leichten Holz des Ambatschstrauches.
Der vordere Teil wurde durch Bündelung zugespitzt und hochgezogen und ging in
ein breites, muldenartiges Mittelteil über.
Verwendet wurde es vorwiegend auf dem Oberlauf des Nil, in ähnlicher Form jedoch
auch in Angola.
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| Gambia
In Gambia und im Senegal gab es die größten mit Segeln versehenen Pirogen.
Die BARRA-Kanus waren breit, flach und bis zu 20 m lang.
Sie konnten bis zu 50 Leute transportieren und hatten 2 Masten, die je ein großes
Mattensegel trugen.
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In Senegal und den angrenzenden Ländern werden die Pirogen heute mit Hilfe eines bis
zu 20 qm großen Sprietsegels angetrieben, das an einem 6 m hohen Mast befestigt ist.
Die älteren GORÉENNE genannten Pirogen haben noch viereckige Mattensegel aus
Naturfasern.
Während der Fahrt steuert ein im Heck sitzender Mann mit einem langen,
brettförmigem Paddel.
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| Senegal
Eine PIROGE ist ein relativ flacher Einbaum, der in Ermangelung von stärkeren Bäumen
einfach durch das Aufsetzen von mehreren Planken erhöht wurde.
Diese Bootsart ist besonders häufig auf dem Senegal anzutreffen.
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| Guinea - Nigeria - Obervolta
In ganz Westafrika kamen primitive Segelboote vor, bei denen der Mastbaum mit
Stricken einfach hochgezogen wurde und ein viereckiges Mattensegel gesetzt werden
konnte.
Die entsprechenden Einbäume waren bis zu 12 m lang und 1,50 m breit,
konnten 7 - 8 Personen befördern und waren am Heck eben und breit.
In Westafrika nannte man sie ANGADO, an der angolanischen Küste waren sie unter
dem Namen NDONGO bekannt.
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Eine CARABANE ist ein Eingeborenenboot an der Westküste Afrikas von Marokko bis Guinea.
Sie war aus einem 6 bis 8 m langen Einbaumbootskörper hergestellt, der bei
Gebrauch in Küstennähe auch durch Planken erhöht war.
Dann waren bei ihr Bug und Heck hochgezogen.
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| Gabun
In den Flüssen von Gabun zwischen Kongo und Kamerun gelegen verwendeten die
Eingeborenen einen kleinen Einbaum, der trogartig aussah.
Bei einer Länge von etwa 4 m konnte dieser CHITWAN genannte Einbaum von einem bis
maximal zwei Personen beherrscht werden.
Wegen des geringen Tiefgangs wurde er mit langen Bambusstöcken gestakt.
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| Dahomey - Elfenbeinküste - Tschad
In der südlichen Sahelzone wie im Tschad, im Niger oder im Norden von Dahomey und Togo,
wo lange, gerade Bäume fehlen, hat man Einbäume einfach aus vielen Planken
zusammengenäht.
Diese KOTOKO genannten Boote wurden in den flachen Zonen des Tschadsees oder in
den Sumpfzonen eingesetzt.
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URATE nennt man die langen Einbäume auf den Flüssen der Elfenbeinküste.
Anders als die Ehem im benachbarten Nigeria waren sie nicht tauglich für das
Befahren der Küsten, sondern wurden nur im Binnenland verwendet.
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Auf den Lagunenseen von Benin, dem früheren Dahomey, fischen die Yoruba mit einem
seltsamen Plankenboot.
Diese NOKOUÉ-PIROGE ist sehr breit, hat im vorderen Teil einen nach oben
gespreizten Mast, an dem ein großes Rahsegel an einer Rah gefahren wird.
Darüber gibt es noch zwei kleinere Segel, die nur an den gespreizten
Masten befestigt sind.
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| Niger - Nigeria
Im Niger-Binnendelta sind Plankenboote vom Typ DJENNÉ, trogartige Wasserfahrzeuge mit
flachem Boden, am weitesten verbreitet.
Zwei gleichgebaute Hälften sind in der Mitte zusammengeschnürt.
Die gängigen Fischerboote sind 5 - 8 m lang und am Boden 45 - 70 cm breit.
Als Transportkähne können sie bis zu 18 m lang werden.
Im Unterschied zur Niafunké haben sie viele als Bänke nutzbare Querrippen.
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Im Mittelteil des Niger existierten bis zu 15 m lange Plankenboote, die entsprechend
dem verwendeten Holz NGONALA hießen.
Wegen Mangels an langen Brettern wurden zwei Bootshälften gebaut, die in der Mitte
verschnürt waren.
Die einzelnen Bretter wurden mit krumm geschlagenen 12 cm langen Nägeln
zusammengeklammert,die Zwischenräume mit Tüchern voll Mehl aus gekochtem Baobab kalfatert.
Der Bug war zu einer Kaffe ausgezogen. In der Mitte dieser Transportkähne war
noch ein niedriges Mattendach als Sonnenschutz aufgebaut.
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| Gambia - Liberia
Die schönsten Einbäume für die Meeresfischerei scheint das Volk der Kru in Süd-Liberia
gebaut zu haben.
Die zierlichen, brandungstauglichen Fahrzeuge sind 4 - 6 m lang, sehr schmal,
innen und außen ebenmäßig gerundet und an den beiden spitzen Enden leicht aufwärts
gezogen. Ähnliche Boote kommen bis nach Guinea vor und werden EHEM genannt.
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| Sierra Leone
Ein BULLAM-BOAT war das typische Eingeborenenboot von Sierra Leone.
Der Bootskörper bestand aus einem 6 - 7 m langen Einbaum, mit dem Personen
und Lasten über die breite Meeresbucht bei der Hauptstadt Freetown befördert wurden.
Im vorderen Drittel stand eine Mastgabel, an der ein wegen der Art der Befestigung
dreieckig erscheinendes Mattensegel befestigt war.
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| Tschad
Wo man keine dicken Stämme findet, die ausreichend hohe Bordwände für die Einbäume
ergeben, werden auf einfache Weise Planken aufgebunden, bei den Dinka im Sudan und
im Tschad sogar kurze Stämme durch Vernähen verlängert.
Solche DINKA-Plankenboote findet man auch bei den Shilluk am Weißen Nil und bei
den Buduma am Tschadsee.
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In den Bergen um den Tana-See in Äthiopien wachsen keine Bäume.
Boote werden deshalb wie schon vor 5000 Jahren aus gebündelten Papyrusstauden gebaut.
Diese KADEI genannten Papyrusboote halten meist nur zwei bis drei Monate.
Sie können bis 9 m lang sein und beachtliche Lasten tragen.
Die Buduma am Tschad-See haben 1969 Thor Heyerdals "Ra" aus Papyrus nachgebaut.
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| Mali
Wegen der oft sumpfigen Wasserläufe in Zentralafrika müssen die dort verwendeten Boote
sehr flach sein.
Am Niger in Mali verwendet das Volk der Bozo KOULIKORO genannte Boote, die mangels
passender Bäume aus einzelnen Brettern zusammengepaßt sind, die aus dem Waldgebiet
im Süden stammen.
Zuerst wird der Boden dieser Fahrzeuge gebaut.
Die Bodenplatte ist an den Seiten abgeschrägt, damit die seitlichen, bis 1,50 m
langen Bretter klinkerartig angenagelt werden können.
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| Kamerun - Kongo
Die Duala in Kamerun und die Limba im Kongobecken besitzen die besten und größten Kanus
Afrikas.
Früher zu Kriegszwecken gebaut dienen diese NDENGE genannten, am Bug reich
verzierten Boote heute nur noch Kanuregatten.
Dabei erbringen 40 bis 70 Paddler eine Geschwindigkeit, mit der sie leicht
einen Dampfer überholen können.
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Im Gebiet zwischen Kamerun und Kongo gab es bis zu 10 m lange, aber verhältnismäßig
breite Boote.
Sie waren aus vielen bis zu 2 m langen Brettern zusammengenäht, wobei die Löcher
mit Reisstroh verstopft waren.
Der Boden einer solchen NIAFUNKÉ war breit, aber ohne die vielen quergespannten
Stützrippen der Djenné.
In der Mitte des Bootes befand sich ein 2 - 3 m langer Wetterschutz.
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| Nyassaland - Rhodesien
In Zentralafrika, wo die Flüsse viele Stromschnellen aufwiesen und die Boote deshalb
oft getragen werden mußten, überwog ein trogartiger kleiner Einbaum.
Diese MOKORO war formlos, teilweise aus einem Stamm herausgeschnitten, viel
öfter aber nur aus zusammengenähter Baumrinde hergestellt.
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| Somalia
In Ostafrika, besonders in Äthiopien und Somalia, werden Einbäume benutzt, die einen
flachen, dicken Boden haben, während die Wände sich nach oben hin verdünnen,
damit der Schwerpunkt möglichst tief liegt und sich dadurch die Stabilität erhöht.
Das Holz dieser ERYAATO genannten, vorne und hinten stumpf belassenen Einbäume
ist so anfällig, daß die Boote schon nach zwei Jahren reparaturbedürftig sind.
Zur Fortbewegung benutzt man lange Stangen zum Staken.
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Ein in den Küstengebieten von Somalia und Djibouti vielfach verwendetes Einbaumboot
ist die kleine HOURI.
Der bis zu 8 m lange Bootskörper war ein ausgehöhlter Einbaum, der durch Planken
erhöht war.
Sie ähnelte stark der ostafrikanischen Mashua, hatte aber ein kleineres Dhausegel,
das an einem umlegbaren Mast im vorderen Drittel des Bootes befestigt war.
Zum Fahren durch Engstellen führte eine Houri 2 bis 3 Paar Riemen mit sich.
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| Kenia - Tanganyika - Sansibar
Das in Afrika MASHUA genannte, in Arabien und dem südlichen Indien als MASCHWA bekannte
Segelboot ist eine nur 5 bis 9 m lange Dhow mit Spiegelheck und stark vorgeneigtem
Vorsteven.
Außer mit dem einen trapezförmigen Dhow-Segel konnte es auch mit 2 bis 3 Paar
Riemen fortbewegt werden.
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Eine JEHAZI ist eine kleine ostafrikanische Dhow mit nur einem Lateinersegel.
Bei einer durchschnittlichen Länge von 15 m ist sie 4 m breit und 2,50 m tief.
Sie ist nur vorn und achtern gedeckt, im übrigen Teil offen.
Ihr Haupteinsatzgebiet liegt zwischen Tanganjika und Sansibar.
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| Madagaskar - Komoren - Mozambique
Unter dem Einfluß indonesischer Caracors, die von Sumatra bis Madagaskar gesegelt waren,
hatten sich Auslegerboote in Afrika nur auf Madagaskar, den Maskarenen, den Comoren,
Mozambique und in Sansibar entwickelt.
Aufgrund ihrer beidseitigen Ausleger waren sie hervorragend im offenen Meer
einzusetzen.
Die großen Auslegerboote wurden CANGAIA, die kleinen MITUMBI genannt.
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| Komoren
Anders als auf Sansibar und Madagaskar hatte das schnittige Auslegerboot der Komoren,
die LAKKA DZILU, nur einen Ausleger.
Es hatte zwei V-förmig aufgestellte Masten mit großem Mattensegel.
Die Auslegerspieren und die weit auf die andere Seite ragenden Gegenspieren dienten
als Fixierung für das Segel.
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| Sansibar
Doppelauslegerboote mit Segeln kamen nur in Sansibar, den Komoren und Mozambique vor.
Das Kennzeichen der NGALAWA auf Sansibar waren die großen Trapezsegel.
Ihre Ausleger wirkten anders als bei den indonesischen Doppel-Auslegern wie
Wasserski.
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| Seychellen
An der ostafrikanischen Küste und den vorgelagerten Inseln spielen Einbäume namens
NTUMBWI eine große Rolle.
Sie sind meist aus dem Stamm der Mango-Bäume hergestellt, vorne und hinten spitz
zulaufend und mit mehreren Planken erhöht.
Auch sie haben wie alle ostafrikanischen Meeresboote zur Stabilisierung
Doppel-Ausleger.
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Quellen:
- Walter Ried : Segler der sieben Meere
- Landström : Das Schiff
- Gerd Koch : Boote aus aller Welt
- Jean Neyret : Pirogues océaniennes, Band II, Seite 277 - 281
- E.W. Argyle : Ships on stamps, Part 3, Early sailing ships & canoes, Part 5, Local craft
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