Seemotive :

Eindringlinge
auf See,

Bohrinseln !

Titel


Bohrinseln
Mitte des 18. Jahrhunderts begann die Entwicklung von der Agrar- zur Industriegesellschaft. Und die Industrie brauchte und braucht Energie, siehe symbolisch die Glühbirne links.

Im Laufe der Jahre und der fortschreitenden Technik wurde und wird immer mehr Energie benötigt. Und die holt man sich aus unserem Planeten. Erst als sich Klimaveränderungen abzeichneten begann man zögernd mit der Entwicklung der erneuerbaren Energien.


Bohrinseln
Bohrinseln
Bohrinseln
Klima
Man holte / holt sich Kohle, Gas, Öl, heißes Wasser und als Nebeneffekt auch Mineral- und Heilwasser aus dem Boden, man nutzte die Kernenergie.
Diese Energiequellen treiben eine Turbine an, die einen Generator (Dynamo) rotieren lässt. So wird Strom erzeugt.

Diese Seite befasst sich mit den Bohrinseln auf See; sie sind "offshore". Im Gegensatz fallen Bohrtürme an Land unter den Begriff "onshore".


Bohrinsel
Bohrinsel
Um an die Bodenschätze zu kommen, wurden Bohrtürme gebaut. An Land standen diese Bohrtürme auf einem festen Grund. Auf See musste dieser "Grund" erst geschaffen werden. Man entwickelte schwimmende Plattformen und Inseln, die mit festen Füßen auf dem Meeresboden stehen.


Bohrinsel
Bohrinsel
Bohrinseln auf See sind Stürmen, hohen Wellen, Eisschollen ausgesetzt. Die Arbeitsplattform mit den Wohnunterkünften befindet sich deswegen hoch über der Meeresoberfläche, im Durchschnitt 20 - 30 Meter.
Dazu spielt die Wassersäule von der Bohrplattform bis zum Meeresboden eine Rolle. Seegangsschwell und Strömungen plus die Tide wirken auf die Bohrinsel und das Bohrgestänge ein.


Bohrinsel
Bohrinsel
Bohrinsel
Eine feste Plattform steht mit einem festen Sockel aus Stahl / Beton auf dem Meeresboden.
Sie werden von der Werft zum Einsatzgebiet mit Schleppern gezogen und dort abgesenkt. Dabei geht es um küstennahe, nicht zu tiefe Meeresgebiete.
Wenn diese Plattform sich an ihren Gerüstbeinen höher oder tiefer bewegen lässt spricht man von einer Hubbohrinsel.


Bohrinsel
Bohrinsel
Eine Halbtaucherplattform schwimmt und hat unter der Meeresoberfläche Auftriebskörper.
Einige dieser Plattformen werden durch Anker fixiert, andere halten sich mit eigenem Antrieb und GPS auf ihrer Position.
Mit diesen Inseln kann bis zu 3000 m Wassertiefe gebohrt werden.

Bohrinsel


Daneben gibt es noch mehrere im Detail unterschiedliche Plattformen. Auf obigen Marken ist eine Förderplattform im Troll Feld vor Norwegens Küste abgebildet. Die Plattform ist mit Stahlbeton in der "Condeep" Technologie erstellt worden. Sie hat eine Höhe von 472 m vom Sockelboden bis zur Spitze des Gasfackelmastes und steht auf dem Meeresboden. Sie fördert Erdgas, es wird in eigenen Tanks zwischengelagert und dann via Pipelines an Land gebracht.

Diese und ähnliche Plattformen werden auch als "Tension leg platform" (TLP) bezeichnet. Zum Beispiel gibt es schwimmende Plattformen, die mit Seilen an Ankern im Meeresboden auf Position gehalten werden.


Bohrinsel

Bild: Dr. E. Bergmann, Zeitschrift "philatelie"

Die Technik macht es möglich, dass man von einer Bohrinseln mehrere Bohrungen in unterschiedlichen Richtungen durchführen kann. Das funktioniert auch für die später installierten Förderanlagen auf einer Plattform.


Bohrinsel

Bild: Dr. E. Bergmann, Zeitschrift "philatelie"

Auf den Bohrinseln wird rund um die Uhr gebohrt. Die Menschen arbeiten in 12 Stunden Schichten. Meist wird 2 bzw. 3 Wochen am Stück gearbeitet, gefolgt von 2 bzw. 3 Wochen frei, ein Rotationssystem.
Drei Stempel mit den Bohrtürmen auf den norwegischen Ölfeldern Statfjord und Valhall sind hier abgebildet. An den Datumangaben kann man sehen, damals gab es noch kein Internet. Es gab auf den Bohrinseln eine Poststation.


Auf einer Bohrinsel arbeiten je nach Größe ca. 100 bis 200 Personen. Das sind die Bohrarbeiter, Techniker, Ingenieure, Sicherheitspersonal, Leitung plus Küche und Reinigung.
Die müssen versorgt werden; rechts ein norwegisches Versorgungsschiff (platform supply vessel, PSV).
Es ist die "Siem Moxie", sie ist ein hochmodernes norwegisches Offshore-Installations- und Versorgungsschiff.
Bohrinsel


Bohrinsel
Bohrinsel
Schlepper bringen Bohrinseln nicht nur an ihren Standort, sie werden immer wieder während des Bohrzeitraumes gebraucht, Marke rechts.
Schwimmende Bohrinseln müssen oft auf neue Positionen verholt werden. Dabei müssen Anker gehievt und versetzt werden.
Dafür haben diese Schlepper ein großes, freies Arbeitsheck.
Links auf der Marke ein Helikopter. Der Personalwechsel auf den Bohrinseln erfolgt mit den Versorgungsschiffen und auch mit Hubschraubern.


drilling ship
Bohrschiffe (engl. Drillships) sind mobile Bohrstationen, die es ermöglichen, an Positionen, an denen normale Bohrinseln nicht befestigt werden können, Bohrungen bis zu einer Bohrtiefe von über 10.000 Metern durchzuführen.

Durch Einsatz von schwenkbaren Impellern oder Bug- und Heckstrahlrudern sowie Systemen zur dynamischen Positionierung (DPS, DGPS) kann das Schiff so manövrieren, dass es, trotz Strömung und Seegang, über der Bohrstelle in Position gehalten werden kann.


Die "Discoverer Enterprise" ist ein Tiefsee Doppelhüllen Bohrschiff und wird in der Ölindustrie eingesetzt.
drilling ship
Das Schiff hat zwei Bohrtürme, die simultan arbeiten können.
Einige Daten: Ablieferung 1998, 69.500 tdw;  
L*B*T - 254m * 38m * 13m; Besatzung um 200 Mann.
Diese grossen Bohrschiffe der Enterprise Klasse sind für Wassertiefen bis 3657 Metern konzipiert und haben eine Bohrkapazität von bis zu einer Tiefe von 12.191 Metern.


Bohrinsel
Bohrinsel
Ein Beispiel zu Ölbohrungen in der Ostsee vor der Schleswig-Holsteinischen Küste.
Das Projekt „Schwedeneck-See“ in der Kieler Bucht war die erste deutsche Offshore-Ölförderung.
Von 1984–2000 wurden von zwei Plattformen aus in der Kieler Bucht rund 3,4 Millionen Tonnen Erdöl gefördert.
Aufgrund nachlassender Fördermengen und zunehmenden Wasseranteil wurde der Betrieb eingestellt und die Stahlplattformen wurden demontiert.
Beim deutsche Feld Mittelplate in der Nordsee fanden ab 1980 bereits Probebohrungen statt. 1985 begann der Bau der Bohr- und Förderinsel Mittelplate. Im Herbst 1986 wurden drei Probebohrungen niedergebracht, die im Oktober 1987 in Produktion gingen.
Die Bohr- und Förderinsel Mittelplate liegt im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und UNESCO Weltnaturerbe. Trotz Protesten und Gerichtsverhandlungen wird dort heute (2026) noch Öl gefördert.


Bohrinsel
Bohrinsel
Bohrinsel
Die größten Erdölfelder auf See (Offshore-Ölfelder) liegen überwiegend im Persischen Golf.

Weitere bedeutende Offshore-Gebiete liegen vor den Küsten von Brasilien, Mexiko, Nigeria, Guyana und im Golf von Mexiko.
Erst dann kommt die Nordsee dazu.


Bohrinsel
Auf den obigen Marken ist eine Förderplattform im Persischen Golf abgebildet, rechts ein Unterwasserspeicher.


Bohrinsel
Eine Förderplattform im britischen Sektor der Nordsee.

Erkennbar sind Mannschaftsunterkünfte und ein Hubschrauber Landeplatz links.


Bohrinsel
Ein Tanker übernimmt Öl von einer russischen Förderanlage in der Arktis.


Abgebildet ist hier das chinesische Ölförderungsschiff "Hai Yang Shi You 117". Es wird auch als FPSO - Floating Production Storage and Offshore Loading system/unit/vessel eingesetzt.
Das ist eine schwimmende Bunkereinheit. Hier wird das Öl zwischengelagert, bis es auf weitere Tanker verteilt wird.
Das Schiff wurde 2007 in Shanghai gebaut, hat eine Verdrängung von 406.736 tdw, Länge 323m, Breite 63m und Tiefgang von 20m.
oil
Bohrinsel
Der Ölumschlag vor der Küste von einer großen verankerten (Bunker-) Einheit auf andere Transportschiffe ist hier auf der Monaco-Marke dargestellt, der besseren Übersicht daneben vergrößert.


Klima
Klima
Immer wieder passieren Unfälle mit Tankern oder an Bohrinseln, die zu einer Verschmutzung der Meere führen. Dabei werden ganze Küstenstriche vom Öl verdreckt, auf dem Meere schwabbert das Öl. Meerestiere und Vögel sterben, Mangrovenwälder und Wattgebiete sind bedroht und jahrelang betroffen.
Klima
Der Untergang der "Deepwater Horizon" (oben rechts) im April 2010 im Golf von Mexiko gilt als die schwerste Ölpest der Geschichte.
Nach einer Explosion und einem Blowout sank die Bohrinsel zwei Tage später.
Bei der Katastrophe starben 11 Arbeiter und schätzungsweise 800 Millionen Liter Öl flossen unkontrolliert ins Meer.


Bohrinsel
Weltweit werden derzeit etwa 75 bis 85 Millionen Barrel Rohöl pro Tag gefördert. Das sind je nach Dichte des Erdöls 10 bis 11,5 Millionen Tonnen. Dabei dominiert immer noch Onshore (an Land) mit ca. 72 % vor Offshore (auf See) mit ca. 28 %.
Onshore-Förderung ist meist günstiger zu erschließen, einfacher zu warten und technisch weniger anspruchsvoll.

Bei heutigem Verbrauch (2025) entsprechen die bekannten Reserven weltweit ungefähr:
Öl: etwa 47–50 Jahre,
Gas: etwa 50–55 Jahre,
Kohle: noch über 300 Jahre.
Dagegen müssen die "erneuerbaren Energien" ankämpfen!


Bohrinsel
Klima
    Bohrinseln sind "Eindringlinge" in die komplexe Natur unserer Meere, sind recht teuer und riskant für Mensch und Umwelt.
  • 1. Umweltschäden
    Ölunfälle (Lecks oder Havarien) können das Meer stark verschmutzen. Schädigung von Meereslebewesen durch Bohrarbeiten, Lärm und Chemikalien. Zerstörung von Lebensräumen am Meeresboden durch Bohrungen und Infrastruktur. Langfristige CO2-Emissionen durch die Förderung fossiler Brennstoffe.
  • 2. Lärmbelastung im Meer
    Starker Unterwasserlärm stört Wale, Delfine und Fische, die sich über Schall orientieren. Kann Wanderungen, Fortpflanzung und Kommunikation beeinträchtigen.
  • 3. Unfall- und Sicherheitsrisiken
    Explosionen oder Brände auf Plattformen sind möglich (z. B. durch Gasdruck). Arbeiter sind unter schwierigen Bedingungen auf hoher See einem höheren Risiko ausgesetzt. Rettung und Hilfe sind bei Unfällen schwieriger als an Land.
  • 4. Wirtschaftliche Nachteile
    Sehr hohe Bau- und Betriebskosten (Stürme, Korrosion, Wartung auf See). Rückbau alter Plattformen ist teuer und technisch komplex.
  • 5. Landschafts- und Nutzungskonflikte
    Beeinträchtigung von Meeresschutzgebieten und Fischerei. Konflikte mit Tourismus (z. B. Wassersport in Küstenregionen).
  • 6. Klimaproblem
    Offshore-Förderung verlängert die Nutzung fossiler Energien, damit geht mehr CO2 in die Atmosphäre und folglich steigt die weltweite Erwärmung mit all ihren negativen Folgen. Globale Konzerne blockieren den Umstieg auf erneuerbare Energien.

Aber:
8 Milliarden Menschen auf diesem Planeten brauchen elektrische Energien.
Der Ausbau von solarer Energie bzw. Windkraft wurde von Poltik und Wirtschaft nicht/kaum unterstützt und kann den Bedarf nicht decken.
Also: Bohrinseln auf See werden weiterhin genutzt, weil ein erheblicher Teil der weltweiten Öl- und Erdgasvorkommen gebraucht wird.

Bohrinsel
Quelle:
Wikipedia Enzyklopädie
Dr. E. Bergmann, Schwarzes Gold im Meer, Zeitschrift "philatelie", 2026.

© Seemotive Bjoern Moritz, alle Rechte vorbehalten


  Nach oben
  nächste Seite
  zurück
  Menue Seite
  Eingangsseite