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Seemotive :
Schiffstypen Ozeaniens !
Folge 1 : Polynesien und Mikronesien
von Wolfgang Rehmer
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In der Südsee gibt und gab es verschiedene Arten von Booten gleichzeitig nebeneinander.
Aufgrund der ungeheuren Entfernungen und der dadurch sich ergebenden Isoliertheit kann man
bis ins 19. Jahrhundert fast jeder Inselgruppe eigene Bootstypen zuordnen.
Diese unterschieden sich hinsichtlich der Rümpfe, der Ausleger, der Plattformen, der Größe und
der Beseglung.
Doppelrumpfboote existierten neben Fahrzeugen mit Auslegern, beide Typen mit einem oder
zwei Masten. Die Segel waren immer aus geflochtenen Matten hergestellt, da die Kunst des
Webens unbekannt war. An Segeltypen existierten das ozeanische Trapezsegel,
das Krabbenscherensegel und das ozeanische Dreieckssegel.
Eines aber war bei allen Schiffstypen gleich: Sie waren gänzlich ohne Metall gebaut, wurden
nur durch Seile zusammengehalten und mußten wegen ihrer Empfindlichkeit vor Austrocknung in
Bootshäusern geschützt werden.
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Gemäß den drei großen Bevölkerungsgruppen in der Südsee lassen
sich auch die Schiffstypen räumlich begrenzen :
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Polynesien mit Neuseeland und Hawaii,
- Mikronesien,
- Melanesien und Neuguinea,
- Philippinen, Indonesien.
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Teil 1 : POLYNESIEN
Hierzu zählen die Markengebiete der Tonga-Inseln, Samoa, Frz. Polynesien bzw. Frz. Ozeanien
(Marquesas, Tuamotu, Raiatea, Tahiti, Tubuai- und Gambier-Inseln), Cook-Inseln, Ellice-Inseln (Tuvalu),
Tokelau-Inseln, Manihiki, Niue, Penrhyn, Aitutaki, Neuseeland, Norfolk, Pitcairn, Rarotonga,
Wallis- und Futuna-Inseln und Hawaii.
40 verschiedene polynesische Schiffstypen lassen sich auf Marken identifizieren.
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| Tonga
Die Auslegerboote ohne Segel waren in ganz Polynesien ähnlich gebaut, auf Tonga war ihr Name PAOPAO.
Es waren Einbäume, 4 bis 6 m lang, teilweise mit hochgezogenem Steven.
Über 2 Spieren waren
sie mit einem kurzen Schwimmer verbunden, sahen aber plumper aus als die Boote von Wallis.
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TONGIAKI war im 18. Jhd. der Name des großen Hochseeschiffes der Tonga-Inseln. Seine beiden gleich
langen, bis zu etwa 23 m langen Bootsrümpfe waren aus einzelnen Plankenstücken zusammengesetzt
und liefen an beiden Enden spitz zu. Mittschiffs war auf den Planken ein Rost befestigt, der eine
große Plattform mit einer flachen Deckshütte trug.
Ein kurzer Mast stand in einem Fuß auf der Plattform über einem der Rümpfe und trug ein
ozeanisches Dreieckssegel.
Ein Tongiaki konnte bis 8 Knoten erreichen. Da er Schwierigkeiten beim Kreuzen hatte, wurde
er Anfang des 19. Jhd. durch die asymmetrische Calie abgelöst.
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| HAMATAFUA war der Name für das bis zu 12 m lange Auslegerboot von Tonga.
Es war ähnlich gebaut wie das Camakau der Fijis, hatte aber einen viel längeren Ausleger
und eine größere Plattform.
Der Rumpf aus einem in der Mitte ausgehöhlten Baumstamm war durch Planken erhöht und lief
vorne und hinten spitz zu.
Der seitlich abgestützte Mast war 9 m hoch und trug ein 10 m hohes Dreieckssegel.
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Auf den Inseln Rotuma und Niuafo'ou gab es ein entsprechendes Auslegerboot namens KORIA.
Es war etwa 5 bis 6 m lang und war über 3 Auslegerspieren mit dem mittelgroßen Schwimmer
verbunden. Auf der Gegenseite war der Ausleger verlängert zu einer Art Plattform.
Der Name ist angelehnt an das tongianische Kalia, meint aber auf keinen Fall ein Doppelrumpfboot.
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| SAMOA
Auf Samoa als ALIA bzw. auf Tonga als CALIE bekannt war ein Doppelrumpfboot des 19. Jhd.,
das eine Kopie der Ndrua von den Fiji-Inseln darstellte.
Dieser Typ wies mit unterschiedlich langen Rümpfem und höherem Mast die wesentlichen Merkmale
mikronesischer Bootsbaukunst auf.
Durch die unterschiedlich langen Rümpfe konnte
das Boot leicht die Fahrtrichtung wechseln ohne zu wenden und ersetzte die schwieriger zu
manövrierende Tongiaki.
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Die AMATASI wurde bis Mitte des 19. Jahrhunderts in Samoa und den Tokelau-Inseln gefahren.
Sie wirkte wegen ihrer großen Plattform wie ein asymmetrisches Doppelrumpfboot, ist aber ein
12 bis 17 m langes Auslegerboot mit einem Einbaumbootskörper und einem langen Schwimmer.
Im vorderen Drittel steht ein hoher Mast mit ozeanischem Dreieckssegel.
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Eine besondere Form eines Auslegerbootes kam nur auf Samoa vor.
Es bestand aus einem 4 m langen Einbaumbootskörper, war aber vorne scharf geschnitten und hinten
ausgezogen.
Der Schwimmer dieses WAKA ALO genannten Bootes war über 2 Spieren mit dem Bootskörper verbunden.
Im vorderen Drittel ließ sich ein Mast mit Dreieckssegel setzen.
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BOOPAA ist ein anderer Name für die Paopao der Tonga-Inseln.
Dieser Auslegerbootstyp mit kurzem Rumpf, oft aus mehreren Holzstücken zusammengesetzt,
taucht mit gleichem oder ähnlich klingendem Namen in ganz Polynesien auf.
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Unabhängig von der Entwicklung der Auslegerboote hat sich zu sportlichen Zwecken auf den Inseln
Samoa und Tonga ein fast 20 m langes Langboot entwickelt, das von bis zu 46 Personen gerudert wurde.
Sein Name war FAUTASI. Sie wurde mit Riemen gerudert, es saßen immer 2 Ruderer nebeneinander,
nur im Bug und im Heck saß jeweils nur 1 Person.
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| WALLIS- und FUTUNA-INSEL
Die TAFAHANGA ist ein bis zu 15 m langes Auslegerboot der Insel Futuna.
Der Bootskörper ist aus einem ausgehöhlten Baumstamm gebildet und beiderseits um je eine Planke
erhöht. 5 relativ kurze Auslegerspieren halten die Verbindung zu dem luvseitigen Schwimmer.
Auf der Leeseite befindet sich auf den überragenden Spieren eine Plattform.
Größere Typen haben darüber gewölbt einen Wetterschutz.
Direkt vor den Spieren steht der Mast, der ein ozeanisches Trapezsegel aus Mattengeflecht trägt.
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Auf der Insel Futuna gibt es noch ein wesentlich größeres Boot als die Tafahanga.
Sie hat 2, manchmal auch 3 Segel, und kann über 20 m messen.
Der ebenfalls sehr lange Schwimmer ist mindestens 3 m vom Bootskörper entfernt und mit
mindestens 10 Auslegerspieren befestigt.
Auf diesen Spieren sind in Längsrichtung 4 bis 5 Bretter befestigt, die als Sitzplätze für
Passagiere dienen.
Auf den Auslegerspieren sind sogar Gerüste befestigt, an denen sich die Passagiere festhalten
können. Der Name dieses Bootes ist LALUA.
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VAKA TAFUA nennt sich das Auslegerboot der Insel Wallis.
Es sieht mit dem hochgezogenen Steven, mit dem es gefahrlos auf dem Sand aufsetzen kann,
recht elegant aus.
Der 4 m lange Rumpf war aus einem Baumstamm geschlagen, 2 Auslegerspieren waren durch V-förmig
stehende Pflöcke mit dem Schwimmer verbunden.
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| TOKELAU-INSELN und ELLICE-INSELN (TUVALU)
Die FAULUA war das Auslegerboot der Tokelau-Inseln.
Sie war ebenfalls aus einem ausgehöhlten Baumstamm gefertigt, der je nach Länge in 3 bis 7
Segmente unterteilt war.
Der relativ lange Schwimmer war mit 4 Querstreben am Bootsrumpf befestigt und konnte bei Bedarf
mit einem zweiten Bootsrumpf zu einem Doppelrumpfboot verbunden werden.
Dabei blieb das Segel nur in einem Bootskörper stehen.
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WAKA heißt das Auslegerboot der Tokelau-Inseln.
Die größeren Boote ähnelten der Nanomea der benachbarten Ellice-Inseln, sie hatten das
hochgezogene Ende allerdings nur vorne.
Die größeren Boote hatten 4, die kleineren nur 2 Auslegerspieren.
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Das Auslegerboot der nördlichen Ellice-Inseln war die NANOMEA.
Sie bestand aus einem zigarrenförmig ausgezogenen Einbaum, der aufgrund seiner Form eine
bessere Landung an der rauhen Küste ermöglichte, ohne daß das Boot beschädigt wurde.
Bei einer Länge von etwa 4 m bot es 4 Leuten Platz.
Drei kurze Auslegerspieren waren mit einem schmalen Schwimmer verbunden.
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| NIUE
TUINGUTU nennt sich das Auslegerboot von Niue, das auch mit mikronesischem Dreieckssegel vorkommt.
Die Enden des Bootskörpers sind abgerundet. Die Enden waren gedeckt ohne jede Verzierung.
Die Mitte ist durch schmale Borde erhöht. Der Ausleger trägt 2 - 3 Streben, die am Schwimmer
mit sich kreuzenden Pflöcken befestigt sind.
Der Schwimmer ist an beiden Enden zugespitzt.
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VAKA HEKEFA hieß das kleine Auslegerboot von Niue und den angrenzenden Inseln.
Es ähnelt den als Boopaa bekannten Typen, ist aber im allgemeinen etwas größer und schnittiger.
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| COOK - INSELN
Das schönste Boot Polynesiens scheint die WAKATAUA der Cook-Inseln gewesen zu sein.
Dieses bis Mitte des letzten Jhd. gebräuchliche Boot bestand aus einem Einbaumbootskörper, der
bei Bedarf mit anderen Bootskörpern zu Doppelrumpfbooten mit einer kleinen Plattform zusammengelascht
werden konnte.
Dem den Bootskörper bildenden ausgehöhlten Baumstamm war vorn ein scharfes Bug- und hinten ein
gerundetes Heckstück mit reichen Verzierungen aufgesetzt.
| Einzigartig bei den Doppelrumpfbooten war, daß die beiden Bootskörper entgegengesetzt
zusammengelascht waren, so daß es beim ozeanischen Kreuzen keine Schwierigkeiten gab.
Jeder Bootskörper hatte kurz hinter dem Bug einen kurzen Mast mit ozeanischem Dreieckssegel.
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| MANIHIKI
Nördlich der Cook-Inseln liegen die Inseln Rakahanga und Manihiki.
Dort hat sich ein Doppelrumpfboot mit Namen WAKA TAURUA entwickelt, das sich nur aus
Bequemlichkeitsgründen aus dem entsprechenden Auslegerboot abgeleitet hat.
Da zwischen beiden Inseln ein reger Austauschverkehr herrschte, benötigte man nämlich Boote,
die man ohne große seemännische Fähigkeiten wenden konnte.
Die ausgehöhlten Baumstämme waren an beiden Enden so abgeflacht, daß man auf den Strand
fahren konnte.
Die beiden polynesischen Dreieckssegel brauchten zur Rückfahrt nur umgekippt zu werden.
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| TUAMOTU - ARCHIPEL
Ein Doppelrumpfboot für Hochseereisen im 18. Jahrhundert war das PAHI.
Erbauer waren die Bewohner der Tuamotu-Inseln im Osten der Gesellschaftsinseln.
Da auf diesen Inseln kein geeignetes Holz zur Verfügung stand, mußten die beiden 14 bis 20 m
langen Bootsrümpfe aus vielen Plankenstücken zusammengesetzt werden.
Deshalb liefen diese vorne und hinten spitz zu. Verbunden waren sie mit einigen seitlich
überragenden Querbalken, die eine riesige Plattform trugen.
In der Mittellinie standen 2 Masten, meist mit ozeanischen Dreieckssegeln.
Als Besonderheit enthielten die Tuamotu-Pahi oft Leitern, die als Wanten Verwendung fanden.
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Die hier vorkommenden Auslegerboote, KAMIA genannt, waren nicht aus einem Baumstamm geschlagen,
sondern aus mehreren Holzstücken zusammengesetzt.
Auffällig war die Erhöhung des Bordes und die besondere Art der Schwimmerbefestigung.
Der hinten kurze Schwimmer war sowohl mit 2 Pflöcken an den Auslegern als auch über eine
gebogene Spiere mit dem Rumpf verbunden.
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| TAHITI
Das größte Auslegerboot Tahitis war das RAIATEA-PAHI.
Obwohl Raiatea im Westen der Gesellschafts-Inseln liegt, waren die Erbauer Gastarbeiter von
Tuamotu im Osten.
Bei diesem Typ war der Schiffsrumpf aus einem Baumstamm gehauen.
Vorn und hinten war er durch aufgesetzte, nach außen gewölbte Planken weit nach oben gebogen.
Eine große Plattform mit einer Deckshütte ragte weit über die Seiten und trug im vorderen
Viertel einen Mast.
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Zwei Schiffskörper konnten leicht zu einem Doppelrumpfboot mit 2 Masten
zusammengeschoben werden.
Die Beseglung bestand aus einem Halbkrebsscherensegel.
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TIPAI HOÉ heißt das einfachste Auslegerboot von Tahiti.
Wie das Kamia des Tuamotu-Archipels ragte der Schwimmer vor dem vorderen Ausleger weit nach
vorne, endete aber mit dem 2. Ausleger.
Auch das Tipai hoé war aus Planken zusammengesetzt, aber kein bißchen erhöht.
Es konnte 1 - 2 Mann tragen.
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Ein Doppelrumpfboot des 18. Jhd. nur für kriegerische Zwecke war das PAHI TAMAI von Tahiti.
Die beiden etwa 30 m langen Rümpfe entsprachen den der Pahi der Raiatea-Inseln, waren
wegen der dichten Bewaldung auch dort gebaut worden.
Sie wurde ohne Segel von bis zu 140 Paddlern bewegt.
Im vorderen Drittel befand sich eine auf 3 m hohen Füßen stehende Plattform, auf der weitere
Krieger und der Häuptling Platz hatten.
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Mit 10 - 12 m wesentlich kleiner gebaut als die Pahi Tamai war die TAURUA TAMAKI.
Sie hatte Ähnlichkeit mit der tahitischen Tipairua, war im Rumpf gleich gebaut, hatte aber
ebenfalls keinen Mast.
Auf einer großen Plattform stand eine Deckshütte.
Die Taurua Tamaki diente ebenfalls kriegerischen Zwecken, war aber hauptsächlich zum Fahren
und Gütertransport im Uferbereich zu verwenden.
Deshalb wurde sie ebenfalls nur gepaddelt.
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Das größte Schiff der Gesellschaftsinseln im 18. Jhd. hieß TIPAIRUA.
Bei einer Länge von bis zu 23 m war dieses Doppelrumpfboot wie das Pahi auch für Hochseereisen
verwendbar, hatte jedoch wegen seiner offenen Bauweise den Nachteil, bei rauher See Wasser zu nehmen.
Die beiden gleich langen Rümpfe waren aus Baumstämmen gehauen, die am Heck stark nach oben
gezogen waren.
Die beiden Masten standen zwischen den Rümpfen auf je einem weit überragenden Spannbrett.
Zwischen diesen war eine große Plattform befestigt, die die Deckshütte trug.
Bis zu 25 m hohe Halbkrebsscherensegel waren fest mit den Masten verbunden, so daß die Segel
nicht gerefft, sondern nur mit dem Mast umgelegt werden konnten.
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Auf Tahiti existierten einfache Doppelrumpfboote.
Zwei einfache, hinten gerade geschnittene Einbäume waren über 2 Traversen im Abstand von bis
zu einem Meter miteinander verbunden.
Bei den älteren Typen waren die Bootskörper nach vorne durch aufgesetzte Planken verlängert.
Diese TIRA genannten Boote wurden hauptsächlich zum Fischfang eingesetzt.
Gleich aussehende Doppelrumpfboote hießen in Neuseeland WAKA HUNUA.
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Die 10 bis 13 m lange VAKA MOTU war wie die Tipairua für lange Seereisen von mehreren Wochen
Länge gedacht.
Die Basis des Rumpfes war aus einem Baumstamm geschlagen, aber durch 2 bis 3 Planken erhöht.
Der Bug war stark nach oben gezogen. Die hintere der beiden weit ausladenden Auslegerspieren
trug eine schmale Plattform, die auch auf die andere Seite hinausragte.
Auf dieser Plattform, also im hinteren Drittel, stand 1 Mast mit einem Krebsscherensegel.
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Eine VAKA POTI von den Gesellschafts-Inseln besteht aus einem etwa 8 m langen Einbaumbootskörper.
2 Auslegerspieren sind mit dem luvseitigen 4 m langen Schwimmer verbunden.
Ältere Typen tragen 1 - 2 Mattensegel; neuerdings fahren aber auch Typen mit europäischen
Sprietsegeln.
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Ebenfalls auf Tahiti hat sich der Rennsport mit Auslegerkanus entwickelt.
Am häufigsten wird die Königsklasse für 6 Paddler gefahren. Dieses VAKA ONO genannte Boot
konkurriert mit dem 3er, VAKA TORU
genannt und dem 12er, dem aus zwei 6ern zusammengelaschten Doppelrumpfboot VAKA TAUATI.
Er hat eine Länge von 13 - 14 m und wiegt etwa 160 kg. Seit 1992 findet in Polynesien
die "Nui Vaka" statt, ein nahezu unmenschlicher Paddelmarathon über 129 km von der Insel
Huahine über Raiatea und Taha'a nach Bora Bora.
In drei Etappen führt das Rennen über 44 km, 26 km und 59 km.
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| TUBUAI - INSELN
Nur auf den Tubuai-Inseln, kamen Auslegerboote vor, die an Bug und Heck stark abgerundet nach
oben gezogen waren.
Der Rumpf war aus vielen Baumstücken gebaut und relativ breit.
Zum sehr langen Schwimmer hin führten nur zwei Auslegerspieren, auf denen sich eine große
Plattform befand.
Da dieses TAURUA genannte Schiff auch für Hochseereisen benutzt wurde, befand sich mittschiffs
eine geräumige Deckshütte.
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| OSTER-INSELN
Die Auslegerboote der Oster-Insel waren nicht länger als 3 - 4m.
Wie die Boote der Pitcairn- und der Gambier-Inseln waren diese VAKA PUÉ PUÉ genannten Boote
aus 60 - 90 cm langen Holzstücken zusammengebaut.
Wie in ganz Ost-Polynesien liefen beide Enden spitz zu.
Seit nahezu 1000 Jahren sind sie unverändert.
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| GAMBIER - INSELN
Ein KIATU ist ein 13 - 17 m langes Floß aus bis zu 15 miteinander verbundenen Baumstämmen, die
in der Mitte länger als außen waren und dadurch vorne ein V bildeten.
In der Mitte war ein nach vorne geneigter Mast befestigt, der ein zwischen zwei Rahen
fixiertes ozeanisches Dreieckssegel hielt.
Das etwa 20 Leute tragende Floß konnte mit 12 Paddeln bewegt werden.
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| MARQUESA - INSELN
Die WAKA TOHUA des 18./19. Jhd. war ein großes Doppelrumpfreiseboot der Marquesa-Inseln.
Die Rümpfe bestanden aus dem massiven, sehr breiten Kielstück, aufgesetzten Planken,
schwungvoll hochgezogenem Heck und nach vorne gerichtetem Bug.
Auf jeder Ducht konnten 2 Paddler nebeneinander sitzen, so daß der im Vorderteil stehende
Mast mit großem ozeanischem Dreieckssegel nur für Hilfsbesegelung dienen mußte.
Die gleiche Form war auch als Auslegerboot bekannt.
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| | NEUSEELAND
TE ARAWA hieß der Typ eines Doppelrumpfbootes, mit dem die Maori im 14. Jhd. von Hawaii kommend
Neuseeland erreichten.
Dieser Bootstyp bestand aus zwei zusammengesetzten etwa 12 m langen Bootsrümpfen, die vorne
spitz zuliefen und auf dem Bug schön geschnitzte Figuren enthielten.
Das Heck war hochgezogen wie bei der tahitianischen Tipairua.
Auf den Rümpfen saßen beidseitig bis zu 15 Paddler, um das Boot unabhängig von dem auf der
Plattform stehenden Segel manövrieren zu können.
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Gleichzeitig mit der Te Arawa gelangten die Maori mit einem ähnlich gebauten Schiffstyp nach
Neuseeland.
Dieser TAINUI genannte Typ unterschied sich hauptsächlich im Bau des Bugs.
Während die Te Arawa spitz zulief, hatten beide Rümpfe der Tainui den Bug stark nach oben
geschwungen.
Identisch waren das weit hochgezogene verzierte Heck sowie die beiden ozeanischen Dreieckssegel.
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Der bekannteste Typ eines Doppelrumpfbootes aus dem 18. Jhd. auf Neuseeland war die WAKA MAHANGA.
Bei einer Länge von bis zu 13 m waren 2 Einbäume mit einem Abstand von etwa 75 cm
über 5 Querstreben miteinander verbunden und trugen in der Mitte eine ebenso schmale Plattform.
Die bis zu 2 Segel, meist typische Maorisegel mit Fransenverzierungen an der offenen Seite,
waren an kurzen Masten zwischen den Bootskörpern befestigt.
Beide Steven waren hochgezogen, meist mit prächtigen Verzierungen wie bei der Wakataua versehen.
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| HAWAII
Die WAKA KAUKUHI war ein 7 - 10 m langes Auslegerboot, deren Bootskörper aus einem Baumstamm
geschlagen worden war.
Mit 2 - 3 cm Dicke der Wände war das Boot sehr leicht.
Der Bootskörper war nicht sehr hoch, hatte aber hochgezogene Enden.
Die beiden Querstreben zum Schwimmer überragten beide Bordwände und standen wie ein umgekehrtes V
nach oben.
Der im vorderen Drittel stehende Mast trug ein Krabbenscherensegel aus Pandanusblättern.
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Hawaii war die einzige Insel dieses Inselbereiches mit einem Doppelrumpfboot.
Diese WAKA KAULUA bestand aus zwei 15 bis 23 m langen oval ausgehauenen Baumstämmen, auf die
je eine schmale Planke aufgesetzt war.
Diese liefen an beiden Enden zusammen und waren erhöht, so daß sich scharfe Steven ergaben.
Bei einer Gesamtbreite von 4 m ergab sich ein geringer Abstand zwischen den beiden Bootskörpern,
der durch ein Brett abgedeckt war.
Bei Wind konnte im vorderen Drittel ein Mast, bei größeren Booten auch hinten ein zweiter,
mit hochstehenden Krabbenscherensegeln errichtet werden.
Meist wurde dieses Boot in Küstennähe jedoch durch Paddler vorwärtsbewegt.
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Teil 2 : MIKRONESIEN
Hierzu zählen die Markengebiete Gilbert-Inseln (jetzt Kiribati), Marshall-Inseln, Micronesien
(mit Karolinen und Marianen), Guam, Nauru und die Palau-Inseln.
Aus diesem Gebiet lassen sich 17 verschiedene Schiffstypen unterscheiden.
Anders als in Melanesien und Polynesien mit ihren höchst unterschiedlichen Schiffsformen herrschte in Mikronesien nur ein Prototyp von Auslegerboot vor, von dem sich alle anderen Boote ableiten. Doppelrumpfboote kommen in ganz Mikronesien nicht vor.
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| GILBERT - INSELN (KIRIBATI)
Das große Reiseboot der Gilbert-Inseln war bis in die Mitte des 20. Jhd. die BAURUA.
Der bis zu 18 m lange Bootskörper war aus einem scharf gehauenen Kielstück mit mehreren in
asymmetrischer Form aufgesetzten Planken gebaut.
Die Auslegerspieren reichen etwa 6 m außenbords. Verstärkt war das Auslegergeschirr
durch 2 Streben von den Bootsenden her.
Auf der mittleren Auslegerspiere stand luvseits der bewegliche Mast mit dem typisch
mikronesischen spitzwinkligen Mattensegel in Dreiecksform.
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Ein wesentlich kleinerer Bootstyp der Gilbert-Inseln war die UAREREKE.
Sie bestand aus einem etwa 7 m langen Bootskörper aus mehreren Stämmen, auf den mehrere
Planken asymmetrisch aufgesetzt waren.
Die Bootsenden waren angehoben. Drei 6 m lange Auslegerspieren waren luvseits mit einem
kleinen Schwimmer verbunden.
Auf der mittleren Auslegerspiere stand ein nach vorne geneigter Mast mit geflochtenem
Dreieckssegel.
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WA RIRIK hieß das kleine Auslegerboot der Gilbert-Inseln.
Es war aus Planken aufgebaut, die an den Enden deutlich hochgezogen waren.
Die dem Wind abgewandte Seite ist wie überall in Mikronesien fast gerade, die dem Wind zugewandte
Seite abgerundet, so daß die Abdrift auf ein Minimum reduziert werden konnte.
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TE WA NUIA hieß das sportliche Gegenstück der Gilbert-Inseln zur Flying Popo der Marianen.
Übersetzt bedeutet der Name etwa großes Rennboot, gebaut war es eigentlich nur aus sportlichen
Gründen.
Wie üblich in Mikronesien war auch dieses Boot ohne Nägel zusammengfügt.
Die den Baumstamm erhöhenden Planken waren durch Kokosfasern miteinander verbunden.
Der asymmetrische Bau für die Kursbeständigkeit entsprach ganz dem der Popo.
Einziger Unterschied war das Auslegergeschirr, das sich im hinteren Teil befand, und das nur
am Bug hochgezogene Ende.
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| NAURU
Das typische Auslegerboot ohne Segel der Insel Nauru hieß E-KUO.
Der Einbaumbootskörper, der bis zu 8 Personen Platz bieten konnte, hatte eine hohe Konstruktion.
Vorne war das Boot leicht hochgezogen und spitz zulaufend.
Über 3 Auslegerspieren war es mit einem langen, schmalen Schwimmer verbunden.
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| MARSHALL - INSELN
Das große Boot der Marshall-Inseln hieß WALAP.
Das Kielstück war aus mehreren ausgehauenen Baumstücken zusammengesetzt.
Bei einer Länge von etwa 7 - 8 m trugen 2 weit über die Lee-Seite überragende kräftige
Auslegerspieren sowohl rechts als auch links eine Plattform.
Durch starke Biegung waren die Spieren luvseitig direkt mit dem kurzen Schwimmer verbunden.
Mittschiffs stand auf der Plattform ein Mast mit ozeanischem Dreieckssegel.
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Wesentlich größere Auslegerboote der Marshall-Inseln mit einer Rumpflänge bis zu 15 m hießen WAPAP.
Ihr Kennzeichen war, daß auf beiden Auslegerplattformen ungefähr 50 cm hohe Unterstände
angelegt waren, die mit Pandanus-Blättern gedeckt waren.
Diese dienten sowohl zum Aufenthalt als auch für die Unterbringung von Handelsgut.
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TIPNOL heißt die kleinere Variante des Walap.
Seine Länge ist 3 m bis 3,50 m. Die Steven sind nicht nach oben ausgezogen, sondern laufen nur
spitz zu.
Die Ausleger sind mit 2 Pflöcken an einem kurzen Schwimmer befestigt und sind
leeseitig nicht verlängert.
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KÖRKÖR oder GARAGAR ist ein mittelgroßes Auslegerboot von 3,50 m bis 5 m Länge.
Es konnte 3 bis 4 Personen tragen und diente neben dem Fischen in der Lagune wegen der
asymmetrischen Form des Schiffsrumpfes auch sportlichen Rennen.
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| MARIANEN
Die von den Marianen stammende , bis zu 20 Knoten schnelle PROA POPO , heute Flying Proa genannt,
ist der eigentliche Prototyp der mikronesischen Auslegerboote.
Je nach Bewaldung der Heimatinsel bestand der Bootskörper aus einem 12 m langen ausgehöhlten
Baumstamm oder einem mit Planken erhöhten Baumstück.
Beide Enden waren gleichartig hochgezogen, jedoch war die Luv-Seite, auf der sich der schmalere
Schwimmer befand, zur Mitte und nach oben hin ausgewölbt, während die Lee-Seite fast gerade und
steil gearbeitet war.
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| Dadurch war die Kursbeständigkeit, wie bei allen mikronesischen
Auslegerbooten, wesentlich erhöht.
Der Mast stand auf der mittleren Auslegerspiere und trug ein mikronesisches Dreieckssegel.
Auffällig war die fehlende Gegenplattform.
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| KAROLINEN
TSUKUPIN war der Name des etwa 10 m langen Karolinen-Auslegers, der sich seit dem 16. Jhd. in
seiner Form gehalten hatte.
Ihr Bootskörper war ebenfalls axial asymmetrisch gebaut und entsprechend der Bewaldung der
Heimatinseln aus vielen Teilen zusammengesetzt.
Bug und Kiel waren schwungvoll hochgezogen. 2 starke Auslegerbäume auf der Luv-Seite hielten
einen schmalen Schwimmer.
Auf der Abdeckung dieser Auslegerbäume stand eine kleine Hütte, eine größere auf der weit
überragenden Lee-Plattform.
Mittschiffs auf der Luv-Bordwand stand ein geneigter Mast mit Dreieckssegel.
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Die bis zu 10 m lange THAUAW der Karolinen diente nur der Küstenschiffahrt in den Lagunen.
Sie war nicht für große Geschwindigkeiten konstruiert, sondern war nur für den Gütertransport gedacht.
Deshalb war der Rumpf breit und abgerundet mit großen Ladeflächen an Heck und Bug.
Eine große Plattform ruhte auf den Auslegerspieren, die wieder Holme für eine zweite
Plattform trugen. Das Segel war wie bei der Tsukupin.
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OAK war der Name des aus Planken gebauten Auslegerbootes der Karolinen.
Anders als sonst in Mikronesien war der Schiffsrumpf recht ausladend.
Die 3 Auslegerspieren waren nach unten gebogen und so direkt mit dem Schwimmer verbunden.
Auf den Spieren über dem Bootsrumpf befand sich häufig eine große Plattform.
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| PALAU - INSELN
Beim KAEP von den Palau-Inseln ist der Bootskörper aus einem etwa 10 m langen Baumstamm mit sehr scharf
geschnittenem Kiel gehauen, der leicht gebogen ist.
Dadurch wird erreicht, daß durch Belastung im Heck nicht der Bug, sondern der Kiel das Wasser
durchschneidet.
Der sehr schmale Bootskörper läßt im Bootsinneren nur einen sehr schmalen Schlitz frei.
2 Auslegerspieren sind mit dem sehr kleinen Schwimmer verbunden.
Zwischen den Spieren steht auf der Auslegerseite der nach vorne geneigte Mast mit Dreieckssegel.
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BOROTONG heißt ein Auslegerboot der Palau-Inseln, das völlig identisch gebaut ist wie die Kaep.
Sie war allein für den Lastentransport gedacht.
Allerdings ist der Schiffsrumpf wie auch die Plattform etwas größer.
Überraschend ist, daß trotz der Belastung der auf den Auslegern ruhenden Plattform durch Waren
aller Art der Schwimmer wie bei der Kaep ganz kurz war.
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KABEKL nennt sich das gepaddelte Kriegskanu der Palau-Inseln.
Wie beim Kaep ist der etwa 10 bis 12 m lange Bootskörper aus einem Baumstamm mit scharf
geschnittenem Kiel gehauen.
Anders als bei den Auslegerbooten der anderen ozeanischen Inseln sind die weit zum kurzen
Schwimmer hinausragenden Auslegerspieren mit einer Plattform versehen.
Angetrieben wird das Boot durch etwa 20 Paddler.
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KOTRAOL heißt das kleinste Auslegerboot der Palau-Inseln.
Die einzige von den gesegelten Auslegerbooten nicht übernommene Eigenschaft war der schmale
Bootsschlitz, da die Eingeborenen in diesem für den Handel verwendeten Boot zum Paddeln
hocken oder sitzen und gleichzeitig Waren transportieren mußten.
Auch hier war der Schwimmer sehr kurz.
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Die zweite Folge über die Schiffstypen Ozeaniens befasst sich mit den
Booten Melanesiens und den Philippinen mit Indonesien.
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Quellen:
- Walter Ried : Segler der sieben Meere
- Landström : Das Schiff
- Gerd Koch : Boote aus aller Welt
- Jean Neyret : Pirogues océaniennes
- E.W. Argyle : Ships on stamps, Part 3, Early sailing ships & canoes Part 5, Local craft
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