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Seemotive :
Schiffstypen Ozeaniens !
Folge 2 : Neuguinea, Melanesien, Indonesien, Malaya und Philippinen.
von Wolfgang Rehmer
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Teil 3 : Neuguinea und Melanesien
Hierzu gehören die Markengebiete Papua, Neuguinea, Salomon-Inseln, Neukaledonien,
Neue Hebriden (Vanuatu) und die Fiji-Inseln.
Aus diesem Bereich lassen sich 31 Schiffstypen auf Marken identifizieren.
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| NEUGUINEA
Ein LAKATOI ist ein plumpes, bis zu 18 m langes Wasserfahrzeug aus dem Südosten Neuguineas.
Die Schwimmkörper bestehen aus 3 oder mehr ausgehöhlten Baumstämmen.
Darüber liegt eine alles überragende Plattform aus Brettern.
An beiden Enden befinden sich flache Deckshäuser, zwischen denen sich starke Lattenverschläge
für das Handelsgut befinden.
Die beiden mittschiffs stehenden Masten tragen Krabbenscherensegel.
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OROU nennt sich ein Doppelrumpfboot der Papua im Südosten Neuguineas.
Das 9 bis 12 m lange Boot besteht aus zwei an den Enden abgerundeten, ausgehöhlten Baumstämmen,
die in einem Abstand von 2 m verbunden sind und eine Plattform tragen.
Der Lee-Rumpf trägt in seinem vorderen Teil den Mastbaum, der ein großes Krabbenscherensegel
trägt.
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Ebenfalls im Südosten in der Region der Motu ist das VANANGI zu Hause.
Auf den weit ausladenden Auslegern liegt vom Bug bis zum Heck eine schmale Plattform.
Zum Schutz gegen Gischt und Wellen ist der Einbaumbootskörper ringsherum mit einer Art Wand
aus Kokosmatten versehen, die nach innen durch Bananenblätter abgedichtet sind.
Die ausgezogenen Enden sind kunstvoll verziert.
Mittschiffs stehen 2 Krabbenscherensegel.
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DE WANG heißt ein 10 - 20 m langes Auslegerboot von den Tami-Inseln im Nordosten Neuguineas.
Der runde Einbaumbootskörper hat ausgezogene Enden.
2 verzierte Planken erhöhen den Baumstamm mittschiffs kastenartig.
Drei Auslegerspieren ruhen auf der oberen Planke und sind über Stäbe mit dem kurzen Schwimmer
verbunden.
2 Masten sind mittschiffs schräg nach vorn und hinten eingesetzt und tragen Mattensegel.
Ein De Wang kann problemlos in beide Richtungen geführt werden.
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Zu den urtümlichsten und zugleich allereinfachsten Wasserfahrzeugen überhaupt gehörte das GRI
oder KOOR-RAN genannte Rindenkanu, das nur in den Küstengebieten Australiens und auf Neuguinea
sowie unter dem Namen GUGULI auf den Salomon-Inseln existierte.
Zu seiner Herstellung wurde ein bootsförmig geformtes Segment Rinde von einem frischen Baum
gelöst und über dem Feuer erwärmt, um dem Boot die nötige Festigkeit zu verleihen.
Beide Enden wurden mit Baumfasern zusammengebunden, der Kanukörper dann mit eingeklemmten
Querhölzern gespreizt.
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Die Stämme am Sepik-Fluß im Nordosten von Neuguinea besaßen ursprünglich nur einfache Einbäume,
die nicht für das offene Meer geeignet waren.
Durch die Einflüsse der Nachbarstämme bekamen diese später Ausleger dazu.
Diese IROKI genannten Auslegerboote waren bis zu 13,50 m lang, zum Schwimmer führten
nur 2 - 3 Ausleger.
Die Enden der Boote waren sorgfältig geschnitzt.
Der Bug stellte oft ein Krokodil oder einen Vogel dar und maß bis zu 1,50 m.
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Im Westen Neuguineas bevorzugte das Volk der Toaripi Doppel-Pirogen.
Sie waren zwischen 3,50 und 5,50 m lang und konnten 4 bis 8 Leute tragen.
Die Fortbewegung erfolgte mit Stechpaddeln. Das Kennzeichen dieser ILOTI genannten Boote
war, daß 2 Baumstämme im Abstand von 1 m mit bis zu 7 Querstreben miteinander verbunden waren,
auf denen eine Plattform errichtet war.
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Ein KARO ist ein kleines Auslegerboot aus dem Südosten Neuguineas, das vom Volk der Mailu
gebaut wurde. Es war nicht länger als 4,50 m und konnte 2 Personen tragen.
In der Mitte ließ sich bei Bedarf ein Krebsscherensegel ohne Mast errichten, das dadurch in
beide Richtungen verwendbar war.
Die Fixierung des Schwimmers an den Auslegern erfolgte über 2 Paar im rechten Winkel auf
den Auslegern befestigte Stangen.
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An der Spitze von Südost-Neuguinea in der Milne-Bucht ist das PARA NO oder NDAP zu Hause.
Es ist ein Auslegerboot mit einem ganz plumpen Rumpf, der mangels geeigneter Bäume aus
Holzstücken zusammengebaut ist.
Der gleich lange Ausleger läßt das Boot wie ein Doppelrumpfboot erscheinen,
zumal auch über die ganze Länge Auslegerspieren führen, die eine kleine Plattform tragen.
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Die LAPIL aus Irian ist ein Plankenboot wie die Mon der Salomon-Inseln.
Bug und Heck waren abgerundet und schmucklos.
Die Länge liegt zwischen 3,50 m bis 5 m.
Die relativ langen Ausleger waren mit gekreuzten Pflöcken an dem recht kurzen Schwimmer
befestigt.
Im vorderen Teil ließ sich ein senkrechter Mast befestigen, der ein für Irian typisches
Mattensegel trug.
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In Nordost-Neuguinea und den Inseln nördlich davon existierte ein Auslegerboot, das bei
einer Länge von 3 m nur in der Mitte durch zwei nah beieinander liegende Auslegerspieren
mit einem winzigen Schwimmer verbunden war.
Dieses in Neuguinea NGA genannte Auslegerboot war für 2 - 3 Mann bestimmt.
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Ein ENDROL ist ein 6 bis 15 m langes Auslegerboot von den Admiralitätsinseln im Norden Neuguineas.
Der flache aus einem Baumstamm geschlagene Einbaumbootskörper ist an den Enden hochgezogen und
dort verziert.
Die 3 - 5 Auslegerspieren sind relativ kurz und liegen mittschiffs nah beieinander.
Der nach hinten geneigte Mast wird durch eine gegabelte Stange von der Auslegerplattform aus
gestützt und trägt ein vierkantiges Luggersegel aus Mattengeflecht.
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| TROBRIAND - INSELN
MASAWA heißt ein etwa 8 m langes Auslegerboot der Trobriand-Inseln südöstlich von Neuguinea.
Ihr ausgehöhlter Baumstamm ist durch 2 Planken erhöht.
Durch die untere Planke gehen etwa 20 Auslegerspieren, die durch viele Stäbe mit dem langen
Schwimmer verbunden sind.
Der gesamte Ausleger ist mit Matten und Latten bedeckt.
Der einzige Mast im vorderen Drittel des Bootes steht schräg nach vorne geneigt und trägt ein
großes, unregelmäßig viereckiges Segel aus Pandanus-Blättergeflecht an einer Art Gaffel.
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| SOLOMON - INSELN
BINABINA oder BENA ist ein Boot ohne Ausleger der Insel Malaita (Salomon-Inseln), das aus Planken
gebaut ist, aber einen ungewöhnlich soliden, nach vorn gerichteten Bug aufweist.
Es wird gepaddelt und bietet Platz für etwa 10 Personen.
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Ein MON ist ein Plankenboot ohne Ausleger der Salomon-Inseln für bis zu 10 Personen.
Es ist nicht verziert, aber anmutig gestaltet.
Es ähnelt europäischen Beibooten, wird normalerweise durch Paddel angetrieben, kann aber
auch Segel setzen.
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Die TOMOKO ist das große Kriegsboot der Salomon-Inseln.
Ihr Bootskörper ist aus Planken zusammengesetzt. Die Steven sind weit hochgezogen und mit Muscheln verziert.
Sie verfügt weder über Ausleger noch Kiel.
Je nach Größe konnte sie 20 bis 100 Paddler aufnehmen.
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Die meisten Auslegerboote der Salomon-Inseln waren nach dem Typ der Mon gebaut, das heißt, daß
der Rumpf aus Planken gefertigt war mit vorne und hinten hochgezogenen Steven.
Von der Insel Malaita stammt die BARU.
Der Schwimmer war genauso lang wie der Bootsrumpf.
Die 5 - 7 Ausleger wurden im Bootsrumpf für die Paddler als Bänke genutzt.
In Neukaledonien hieß dieser Bootstyp ROKA.
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Von der Insel Mortlock, die zu den nördlichen Salomon-Inseln gehört, stammt das PÉPÉKAU.
Ein einfacher kleiner Ausleger, der eigentlich typisch für Mikronesien ist, ist
über 3 Spieren mit dem runden Bootskörper verbunden.
Die Befestigung der Spieren auf dem Ausleger ist eigentlich zu schwach für Hochseefahrten.
Der bis zu 10 m lange Bootskörper ist abgerundet mit hochgezogenen, stumpf wirkenden Enden.
Segel und der asymmetrische Bau des Bootskörpers ähneln den mikronesischen Typen der Carolinen.
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| BISMARCK - ARCHIPEL
Eine UCHE ist ein etwa 20 m langes Auslegerboot Nordwestmelanesiens.
Ihr Rumpf ist ungewöhnlich geschnitten. Ein ausgehöhlter Baumstamm ist trapezförmig zugehauen.
Darüber ist das Boot um 2 Planken erhöht.
Beide Steven sind aufgesetzt und die Enden nach innen gerichtet.
Auf der Luvseite befindet sich ein schwerer Schwimmer, der durch eine starke
Auslegerkonstruktion gehalten wird.
Mittschiffs stehen 2 unterschiedlich hohe Masten mit Krabbenscherensegeln.
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Im Norden des Bismarck-Archipels liegt die Insel Vuvulu.
Von dort stammt ein seltsames Auslegerboot, bei dem an einem 6 - 20 m langen Einbaumbootskörper
Bug und Heck nadelförmig aufragen und die Enden nadelförmig verlängert sind.
Die 4 Auslegerspieren durchbohren beide Bootswände.
Segel sind auf der Insel gänzlich unbekannt.
Wenn irgendwo übernachtet werden muß, werden zwei WA TAMANÉ genannte Boote mit den Auslegern
nach außen zusammengelascht und aus mitgeführten Planken eine Plattform angefertigt.
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| SANTA-CRUZ-INSELN
Von den Santa-Cruz-Inseln stammt die TEPUKEI.
Der Rumpf besteht aus einem schmalen, ausgehöhlten, 8 - 12 m langen Baumstamm.
In der Mitte befindet sich eine weit ausladende Brücke, deren Luv-Enden weit zum kurzen
Schwimmer hinausragen. Auf ihr befindet sich eine Plattform mit einer Hütte.
Die kürzeren Enden der Brücke auf der Lee-Seite tragen eine große Gegenplattform.
Das große Krabbenscherensegel wird gehalten durch einen schräg gestellten Mast in der Mitte
des Schiffes.
Mit solchen Schiffen konnten Hochseefahrten bis zu 900 Seemeilen unternommen werden.
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| NEUE HEBRIDEN ( VANUATU )
Auf den Inselgruppen der Neuen Hebriden existierte die MBEMBEO, ein 5 bis 7 m langer, an den
Enden scharf ausgezogener Einbaumbootskörper mit einem gleich langen Schwimmer.
Beide waren durch 10 mit Planken bedeckte Auslegerspieren miteinander verbunden.
Der in der Mitte stehende Mast trug bis um die Jahrhundertwende ein ovales Segel
aus Pandanusblättern, spätere Typen verwendeten auch Trapezsegel.
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Das einfache Auslegerboot Melanesiens war das "5-Teile-Boot" WAKA LASI.
Sein 3 - 6 m langer Einbaumbootskörper war durch 2 Planken erhöht, beide Enden waren
bedeckt und der offene Teil über 3 - 4 Auslegerspieren mit einem etwa 2 m langen Schwimmer verbunden.
Mit solchen Booten konnte man nur bei ruhiger See zum Fischfang zwischen die Riffs fahren.
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| NEUKALEDONIEN
Die großen Doppelrumpfboote von Neukaledonien ähnelten den Pahi des Tuamotu-Archipels, hatten
aber nach oben gebogene Dreieckssegel.
Ihr Name war PWANRÉ. Die beiden Bootsrümpfe waren unterschiedlich lang und durch
aufgelegte Planken nach vorne und hinten spitz ausgezogen.
Anders als bei den anderen bekannten Doppelrumpfbooten war die große Plattform umgeben
von einer Balustrade.
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Von der Ile des Pins im Süden Neukaledoniens stammt die BEREWE.
Sie wirkt wie ein Doppelrumpfboot, ist aber ein relativ plump wirkendes Auslegerboot,
das in den meisten Fällen zwischen Rumpf und Ausleger eine Plattform trägt.
Sie scheint von der Insel Tonga oder den Fidjis importiert zu sein.
Daran erinnern das polynesische Dreieckssegel, die vorne und hinten gleich spitz zulaufenden
Enden des Bootsrumpfes sowie die Deckshütte auf der großen Plattform.
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Im Südosten der Grande Terre war ein entsprechendes Auslegerboot mit Namen TOU DEVON zu Hause.
Wie auf den benachbarten Fiji-Inseln war der Schiffsrumpf breit, 3 feingearbeitete
Auslegerspieren waren an einem mittelgroßen Schwimmer befestigt und trugen eine große Plattform,
oft mit einer Deckshütte.
Der nach vorn geneigte Mast trug ein polynesisches Dreieckssegel, bei moderneren Typen
auch ein Sprietsegel.
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KOUROUPA heißt das einfache Auslegerboot von Neukaledonien.
Auf ein bearbeitetes Stück Baumstamm sind 2 Plankenschichten aufgebaut.
3 Ausleger sind mit einem mittelgroßen schmalen Schwimmer verbunden.
Die ausgezogenen spitzen Enden sind abgedeckt.
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| FIJI - INSELN
Bis in die 30er Jahre dieses Jahrhunderts war auf den Fiji-Inseln der Hochseeausleger CAMAKAU
oder Thamakau zu Hause.
Unter günstigen Bedingungen konnte er bis zu 9 Knoten erreichen.
Mit einer Länge von bis zu 15 m bot er 40 Mann Besatzung Platz.
Der Rumpf bestand aus einem in der Mitte ausgehöhlten Baumstamm, dessen aufgesetzter Bug leicht
hochgeführt war.
1 kleiner Schwimmer war über 3 Auslegerspieren mit dem Ausleger verbunden.
Der seitlich abgestützte Mast war 9 m hoch und trug ein 10 m hohes Dreieckssegel.
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TAKIA heißt das bis in unsere Zeit auf den Fiji-Inseln erhalten gebliebene Auslegerboot.
Es ist von der gleichen Bauart wie ein Camakau.
Der Rumpf besteht aus einem etwa 4 m langen ausgehöhlten Baumstamm.
Ein relativ kleiner Schwimmer stabilisiert den Einbaum.
Größere Typen enthalten sogar eine Deckshütte. Notfalls kann im vorderen Drittel
des Rumpfes ein Mast mit einem Dreieckssegel aufgestellt werden.
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TABILAI ist die Bezeichnung für ein Auslegerkanu von den Fiji-Inseln.
Es war genauso gebaut wie die Camakau, nur länger und höher.
Wesentliche Unterschiede bestanden in dem stärkeren Schwimmer, den vielen Querlatten auf
den Auslegerspieren und der kleinen Plattform mittschiffs.
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Die NDRUA, das asymmetrisch gebaute Doppelrumpfboot der Fiji-Inseln, war bis zu 27 m lang,
15 Knoten schnell und konnte bis zu 200 Krieger tragen.
Die beiden ausgehöhlten Bootskörper lagen etwa 4 m auseinander und trugen eine große
Plattform, in deren Mitte sich eine Deckshütte befand.
Bei Windstille ließ sich das Fahrzeug durch Wriggen vorwärts bewegen.
Der Mast stand in der Mitte der Plattform über dem grösseren Bootskörper, während der
Fuß des 13 m langen Dreieckssegels auf dem Deck des Rumpfes befestigt war.
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Das einfache Auslegerboot der Fiji-Inseln hieß VELOVELO.
Bug und Heck waren häufig stark abgerundet nach oben gezogen.
Der kurze Schwimmer war über 3 ebenfalls kurze Auslegerspieren mit dem Bootsrumpf verbunden.
Bewegt wurde das Boot meistens über ein langes Stechpaddel.
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| Teil 4 : Indonesien, Malaya und Philippinen
Aus diesem Gebiet lassen sich 23 verschiedene Schiffstypen unterscheiden.
Die Boote der Philippinen und der kleinen Sunda-Inseln haben wegen ihrer Nähe zu Melanesien
große Ähnlichkeit mit diesen Bootstypen, liegen aber ausschließlich als Doppel-Ausleger vor.
Die Boote der großen Sunda-Inseln und Malayas zeigen wegen der geringen Nähe zum asiatischen
Festland eine große Ähnlichkeit zu den hinterindischen Praus bzw. den Dschunken; anders als in
Ozeanien gibt es hier auch große Schiffe ohne Ausleger.
Außerdem kommen wegen der geringen Entfernungen der Inseln untereinander alle großen Praus
in ähnlicher Form unter anderem Namen auch auf anderen als im Text angegebenen Inseln vor.
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| BORNEO
Dieses auf Nord-Borneo SAPIT, in Malaya KUMPIT genannte 6 m lange Fischerboot hatte eine Basis
aus einem ausgehöhlten Baumstamm, der den Kiel ersetzte und der durch je 2 Planken erhöht war.
Wie in Indonesien üblich trug der im vorderen Drittel stehende 3 m lange Mast ein Vierkantsegel.
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Die PENTJALANG oder Prahu Pentjalang ist der Majang aus Java verwandt.
Sie ist ein scharf auslaufendes, mittschiffs breites Schiff von 15 bis 20 m Länge mit
festen Decks.
Der Unterschied ist nur, daß bei diesem für Borneo und Celebes typischen Schiff an einem
losen Klüverbaum ein dreieckiges Vorsegel geführt wird.
Meistens wurde sie zusätzlich noch mit 5 Riemen beidseitig fortbewegt.
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Eine BAGO ist ein modernes Schiff bis 10 m Länge mit einem Mast und einem Gaffelsegel.
Sie hat einen langen Bugspriet, an dem die Stagsegel angeschlagen sind.
Teilweise haben die Bagos noch Giebeldachluken und indonesische Seitenruder, wirken aber
sonst eher wie eine europäische Sloop.
Sie dienen hauptsächlich zum Holztransport.
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Die TATARA ist ein Einbaum, der auf den großen Sundainseln zu Hause ist.
Auffällig ist sein leicht hochgezogener Bug.
Bei einer Länge von etwa 4 m wurde er von einem Mann gepaddelt, der im hinteren Drittel
des Bootes saß, so daß dieses vorne angehoben war.
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Auf Borneo, besonders auf dem Fluß Sarawak, existierte ein sampanähnliches Boot, das in der
hinteren Hälfte ein großes Sonnendach enthielt.
In fast identischer Form, allerdings mit einem flach ausgezogenen Bug, kam dieser auf
Borneo LAHAD DATU genannte Sampan auch auf der malaiischen Halbinsel vor.
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| CELEBES
Von der Insel Celebes stammt die PALARI.
Mit ihrer modernen Gaffeltakelage mutet sie wie ein Schoner an, zeigt aber 3
wesentliche Unterschiede.
Am auffälligsten ist der unharmonische Anbau hinter dem Heck, der auch bei den Bagos
aus Sarawak zu finden ist.
Etwas Besonderes ist auch der Aufbau des vorderen Mastes als Tripodmast aus Bambusstangen.
Schließlich erfolgt die Steuerung über 2 indonesische Seitenruder.
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Auf Celebes und Java gab es noch eine andere Prau, die starke europäische Einflüsse zeigte.
Die ebenfalls wie ein Schoner getakelte TONKONG hatte zwei Tripodmasten, die Segel
ähnelten entweder denen der Philippinen oder waren typische indonesische Trapezsegel.
Die Steuerung erfolgte wie überall durch ein Seitenruder.
Der breite Schiffsrumpf eignete sich zum Holztransport.
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| JAVA
Das MAJANG aus Mitteljava ist ganz aus Planken aufgebaut.
An Bug und Heck ragen die Steven empor und sind nach innen eingebogen.
Der Mast steht vor der Bootsmitte und hat die Länge des Kiels.
Diese Prau führt das typische Quadri-Lateral-Segel zwischen Bambusrahen.
Aus der Ducht ragt ein kurzer Pfosten hervor, der den langen Ruderriemen hält.
Daneben steht eine Astgabel, die das gefierte Segel aufnimmt.
Bei Windstille wird das Majang mit Riemen gerudert, die durch kurze Schlingen auf dem
Dollbord befestigt sind.
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Die DJANGÖLAN stammt von den Inseln Java und Madura.
Der Kiel dieser Prau ragt vor dem Vorsteven und hinter dem Achtersteven heraus.
Über den Bug hinaus ragt ein Arm, der mit Schnitzereien verziert ist.
Das Schiff ist aus Teakholzplanken ohne Spanten gebaut und hat nur ein kleines
Vor- und Achterdeck.
Mittschiffs hat das Boot eine weite U-Sektion, über der sich eine große
Giebeldachluke aus Bambus und Matten befindet.
In der vorderen Hälfte stehen 2 kurze Masten, deren dreieckig geschnittene Segel mit der
Spitze nach vorn befestigt sind.
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Eine KOLEK ist ein auslegerloser Einbaum, der von Java bis zum malaiischen Archipel in Gebrauch war.
Ein ausgehöhlter Baumstamm, der eine schmale Öffnung für höchstens 2 Personen erhielt,
bekam im vorderen Drittel einen kurzen Mast, an dem ein den mikronesischen Dreieckssegeln
ähnliches Segel befestigt war.
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| WEIHNACHTS - INSEL
Nirgendwo in Polynesien und Micronesien findet man Auslegerboote mit Doppelauslegern.
Diese sind typisch für Neuguinea und Indonesien.
Auch diese Boote nennen sich KOLEK, sind aber anders als der entsprechende Schiffstyp von
Java breit und schwerfällig und scheinen sich unabhängig von der Entwicklung aller anderen
Bootstypen erst in neuerer Zeit auf der Weihnachtsinsel entwickelt zu haben.
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| MOLUKKEN
Die mit bis zu 35 m Länge größten Praus Indonesiens kamen im Nordwesten Neuguineas und auf den
Molukken vor.
Sie nannten sich CARACOR und waren als Hochseeschiffe in der Lage, bis Madagaskar zu segeln.
Der Rumpf war kraweelgebaut und erinnerte an Wikingerschiffe.
Die leicht hochgezogenen Steven, die typischen Tripodmasten und die beiden weit ausladenden
Ausleger finden sich nur bei den Praus in dieser Region.
12 Ruderer, die auf den Stangengerüsten der Ausleger saßen, konnten die Prau zusätzlich
beschleunigen.
Mit ihren großen Rechtecksegeln zählen sie zu den schönsten und schnellsten Reisebooten
der Insulinde.
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Die OREMBAI ist ein Einbaum ohne Ausleger von den Molukken.
In seiner einfachen Linienführung ähnelt sie nicht den typisch indonesischen Doppelauslegern,
sondern mehr der Mon von den Solomon-Inseln.
Allerdings sind die Planken nicht wie dort durch Kokosfasern verknotet, sondern Planke auf
Planke ist verzapft, so daß die Bordwand ganz glatt wird.
Fortbewegt wird sie durch bis zu 4 Paddler.
Auf den Südphilippinen heißt das gleiche Boot CARACAO.
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| MADURA
Die GOLEKKAN von Madura ist eine aus Planken erbaute Prau, sie hat einen Kiel , schräge
angespitzte Steven und 2 kurze Masten.
Der vordere steht im Bug, der hintere steht achterkante des kurzen Vordecks.
Die obere Rah der spitzwinkligen Dreieckssegel kann nur im ersten Fünftel ihrer Länge
am Masttopp angeschlagen werden; deshalb müssen die beiden Segel in ihren verschiedenen
Stellungen durch viel Tauwerk und Stangen in ihrer Position gehalten werden.
Vom 2. Mast bis zum Heck ist der Laderaum von einer großen Dachgiebelluke überdeckt.
Die Steuerung erfolgt über einen langen Riemen.
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Kurios mutet die PRAU BEDANG an.
Der Schiffskörper, besonders der hochgezogene Bug, ähnelt dem einer Dhau, besonders einer Zaruke.
Die Prau wurde mit einem großen und einem kleinen Dreieckssegel gefahren, die Ähnlichkeit
mit den Segeln der Ellice-Inseln hatten.
Anders als bei der Golekkan waren Stand und Befestigung der Segel.
Das kleine Segel war an einem kurzen Mast kurz hinter dem Bug befestigt.
Das große Segel war mit seiner Spitze auf einem Gestell neben dem kleinen Segel fixiert,
während der große fast am Heck stehende Mast das Segel an seiner größten Öffnung hielt.
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| SUMATRA
Dieser Typ, BINTA genannt, ist ein großes Seeschiff mit festen Decks, die nach achtern ansteigen.
Über den Luken sind Giebeldächer, das Achterdeck ist ringsherum geschlossen.
Es ist eines der wenigen Schiffe mit einer Reling.
Es hat 3 Tripodmasten mit schrägen Vierkantsegeln und einen Bugspriet mit Klüverbaum.
Bei Windstille kann mit den langen Riemen noch Fahrt aufgenommen werden.
Interessant ist der für Indonesien typische Anker mit nur einem Haken.
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Die BUANGA war ein typisches zweimastiges Piratenschiff des 18. Jhd..
Sie hatte die für Ost-Sumatra typische hohe Rahtakelage aus aufrollbaren Mattensegeln und
Vorsegel am Klüverbaum.
Die Masten konnten schnell umgelegt werden, wenn der Pirat bei Windstille ein anderes
Schiff mit seinen 16 langen Riemen verfolgen wollte.
Die Buanga hatte oft noch Ausleger außerhalb des Riemenbereiches, auf denen bis zu 20
Paddler saßen.
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| COCOS-INSELN
Eine DOEKONG oder JUKONG ist ein kleines, modernes Fischereifahrzeug der Cocos-Inseln,
oft aus einem Baumstamm gearbeitet, vorne und hinten stark abgerundet.
Der einzige Mast stand im vorderen Drittel und war fast immer mit Steilgaffelsegel oder
Sprietsegel getakelt.
Sie war nicht länger als 6 - 8 m.
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| MALAYA
Die PEDJALA MUATAN SALEIER der malaiischen Halbinsel diente zum Transport leichter Güter oder
einiger Passagiere und ist mit ihren Tripodmasten und dem riesigen, schräggestellten Vierkantsegel
sehr schnell gewesen.
Beeindruckend waren die hochgeschwungenen Steven.
Die größeren Typen hatten lose Seitenruder, während die kleinere Variante mit einem langen
Riemen gesteuert wird.
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Die PULO RAJALÉ, die hauptsächlich auf der malaiischen Halbinsel und auf Sumatra vorkommt,
scheint in ihrem Schnitt von der arabischen Schebecke abgeleitet zu sein.
Sie hat 3 Masten, an denen die Lateinsegel durch indonesische Luggersegel ersetzt sind.
Der auf dem Bug aufgesetzte Klüverbaum dagegen ist angelehnt an die europäische Bauart der
Brigantinen.
Die ursprünglich vorhandenen indonesischen Seitenruder sind bei moderneren Typen ersetzt durch
ein Heckruder.
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| PHILIPPINEN
Eine BANKA ist ein durch Planken erhöhter Einbaum für 3 Personen aus den südlichen Philippinen.
Ihre Stabilität ist erhöht durch beidseitig dicht an der Bordwand angebrachte lange Ausleger
aus Bambus, die normalerweise das Wasser nicht berühren.
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Die philippinischen Doppelausleger waren doppelendig, wirkten aber durch die chinesische
Plankenführung an der Bug- und Heckplattform ziemlich plump.
An beiden Seiten dieser CASCO genannten Boote waren sehr einfache Ausleger.
Diese hielten auch die Wanten der beiden Masten, an denen hohe chinesische Mehrrahensegel
gefahren wurden.
Die Steuerung wurde von einem festen Heckruder übernommen.
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Auf den Philippinen wie auf den benachbarten Molukken gab es große Doppelauslegerboote.
Der Schiffskörper war ein Einbaum von 6 bis 8 m Länge.
Die beiden Ausleger dieser GALÉLA genannten Boote waren mit nur 2 Auslegerspieren verbunden.
Der breite Bootskörper bot Platz für 10 bis 15 Personen.
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Eine MORO VINTA ist ein Doppelauslegerboot des Volkes der Moro auf den Süd-Philippinen mit einem
typisch malaiischen Rechtecksegel.
Dieses ist meist aus Patchwork hergestellt und immer bunt eingefärbt.
Die ursprünglichen Typen der Vinta hatten als besonders markantes Kennzeichen einen
geschnitzten Vordersteven in der Form eines offenen Drachenmauls.
Das Heck war zweigeteilt, die Enden ebenfalls künstlerisch gestaltet.
Weniger auffällig war der dreifüßige Tripodmast.
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Die erste Folge über die Schiffstypen Ozeaniens befasst sich mit den
Booten von Polynesien und Mikronesien.
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Quellen:
- Walter Ried : Segler der sieben Meere
- Landström : Das Schiff
- Gerd Koch : Boote aus aller Welt
- Jean Neyret : Pirogues océaniennes
- E.W. Argyle : Ships on stamps, Part 3, Early sailing ships & canoes Part 5, Local craft
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