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Bild: Reederei Braren
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Seemotive : Rotorschiffe !
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Der Vortrieb beim Flettner-Rotor basiert auf dem Magnus-Effekt:
Ein senkrecht stehender Zylinder (Rotor) wird aktiv in Rotation versetzt.
Trifft Wind auf den rotierenden Zylinder, wird die Luft auf einer Seite beschleunigt und auf der anderen abgebremst.
Dadurch entsteht ein Druckunterschied zwischen den beiden Seiten.
Dieser Druckunterschied erzeugt eine Kraft quer zur Windrichtung.
Diese Kraft hat – richtig ausgerichtet – eine Vortriebskomponente, die das Schiff nach vorne zieht.
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Dieser Rotorantrieb ist nach seinem deutscher Ingenieur und Erfinder Anton Flettner (1885–1961) benannt.
Er entwickelte neben dem Rotor wichtige Steuerungssysteme für Flugzeuge (z. B. das Flettner-Ruder).
Insgesamt meldete er über 1000 Patente an und prägte Luftfahrt und Schiffstechnik nachhaltig.
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Auf dieser Postkarte ist das Rotor-Schiff "Buckau" abgebildet.
Einige Daten:
Sie war ein Dreimastschoner und wurtde 1920 auf der Germaniawerft, Kiel zu einem Rotorschiff
umgebaut.
Länge 54 m, Breite 9 m, Tiefgang 3,8 m.
Vermessung 455 BRT, 625 tdw.
als Segler: 883 m² Segelfläche und Diesel-Hilfsmotor
Höchstgeschwindigkeit 11 kn.
Jede der beiden Rotoren (auch Walzen genannt) hatte 2,8 m Durchmesser, eine Höhe von 18,3 m über
Deck und wurde durch einen Elektromotor angetrieben.
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Die "Buckau" wurde später in Baden-Baden umbenannt, nach Amerika verbracht und erregte bei der Ankunft
in New York am 9. Mai 1926 großes Aufsehen.
1931 wurde es in der Karibik von einem Sturm zerstört.
Die Flettner-Rotoren waren zu diesem Zeitpunkt bereits entfernt worden.
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Die "Barbara" war ein Frachtschiff und das zweite Schiff, das mit Flettner-Rotoren ausgerüstet wurde.
Es wurde am 28. Juli 1926 bei der AG Weser in Bremen für die Reederei
Sloman in Hamburg fertiggestellt. Das Schiff war mit 2077 BRT vermessen.
Im Auftrag der Reichsmarine wurde das Frachtschiff mit drei Flettner-Rotoren als Zusatzantrieb
ausgerüstet.
Die Rotoren waren 17 m hoch und hatten einen Durchmesser von 4 m. Sie sollten die beiden Dieselmotoren
unterstützen.
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Die "Barbara" wurde während der Erprobungen von der Reederei im Mittelmeerdienst eingesetzt.
Bei den Tests wurde ermittelt, dass die Rotoren bei
Windgeschwindigkeiten um 5 Beaufort einen Leistungszuwachs von etwa 440 kW erzeugten.
Versuchsfahrten bei Windstärke 4 bis 6 ergaben bei voll laufenden Motoren eine
Geschwindigkeit von bis zu 13 Knoten.
Bei einem laufenden Motor und Rotoren wurde eine Geschwindigkeit von 9,5 bis 10 Knoten erreicht.
Bei reinem Rotorantrieb wurden immer noch 6 Knoten gemessen.
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Auf dem Bild rechts und der Marke unten ist das Rotor-Schiff "E-Ship 1" abgebildet. Mit diesem Schiff begann eine weitere
Phase den Wind als Antriebskraft bei Frachtschiffen zu nutzen.
Der Grund waren die stetig steigenden Brennstoffpreise für die Schiffsmaschinen und ihre
klimaschädlichen Auswirkungen (CO2) auf die Umwelt.
Unter dem Begriff WASP (Wind Assisted Ship Propulsion) entwickeln sich heute
Wind gestützte Antriebssysteme.
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KI - Bild
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Einige Daten :
- Werften Lindenau Kiel und Cassens Werft Emden
- Indienststellung 6. August 2010
- Länge, Breite, Tiefgang - 130 * 22,5 * 9,3m
- Vermessung 12.968 BRZ
- Insgesamt 5 Dieselmotore und 4 Flettner Rotore
- Rotore Höhe 27 m, Durchmessere 4 m
Die Treibstoffersparnis durch die Flettner-Rotoren und weitere Optimierungen betragen
bis zu 25 Prozent.
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Insgesamt existieren derzeit ca. 15-20 bekannte Schiffe weltweit, die Flettner-Rotoren
einsetzen oder eingesetzt haben (1926).
Darunter sind die beiden oben abgebildeten Bulkcarrier.
Die "Sea Zhoushan" rechts wurde 2021 in China gebaut. Das 340m lange und 62m breite
Schiff ist mit 173.666 GT vermessen.
Das Schiff wurde mit 5 Flettner Rotoren ausgerüstet. Diese
bringen je nach Wind- und Fahrtrichtung um acht % Kraftstoffeinsparung
und rund 3.400 t weniger CO2 Ausstoss pro Jahr.
Die geringe Einsparung liegt an der Größe des Schiffes.
Die "Dietrich Oldendorff" links wurde 2020 in Japan gebaut. Das 235m lange und 38m breite Schiff hat eine
Tragfähigkeit von 100.449 tdw. Im Jahre 2024 bekam das Schiff 3 Flettner Rotoren und
wurde in "Chinook Oldendorff" umbenannt.
Chinook bezieht sich auf einen warmen Fallwind (Nordamerika),
passend zur Route über den Pazifik.
Mit den drei Rotoren wird ein 10–15% geringerer Treibstoffverbrauch erzielt.
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Die "Annika Braren" wurde 2020 auf der niederländischen Werft Royal Bodewes gebaut.
Das Schiff hat eine Länge von 87m, Breite 15m und eine Tragfähigkeit von 5.050 tdw.
Die Geschwindigkeit liegt bei 12kn und das Abgas wird mit einem Scrubber gereinigt.
2021 erhielt das Schiff in Leer einen Eco-Flettner-Rotor.
Der Rotor ist 18m hoch, der Durchmesser beträgt 3m und hat ein Gewicht von 27 Tonnen.
Ein Getriebemotor ermöglicht eine Umfangsgeschwindigkeit des Zylinders von ca. 280 U/min.
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Mit diesem Rotor kann eine Einsparung beim Bunkertreibstoff um 14%,
bei günstigen Windverhältnissen bis 20% erreicht werden.
Die Reederei Rörd Braren nimmt an einer Interreg-North-Sea-Region »WASP«-Projekt teil,
siehe weiter unten.
Über einen Zeitraum von zwölf Monaten werden an Bord Leistungsdaten des Windantriebes,
Wetter- und Windbedingungen, Schiffsgeschwindigkeit und Treibstoffverbräuche
aufgezeichnet und an die schwedische Universität SSPA in Göteborg übermittelt.
2004 erhielt die Reederei den "Clean Marine Award" der Europäischen Kommission.
Fünf Schiffe tragen den Blauen Engel als Zeichen für umweltschonende Schifffahrt.
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Das Projekt WASP (Wind Assisted Ship Propulsion) steht für eine Reihe moderner
Technologien, mit denen Schiffe zusätzlich durch Windenergie angetrieben werden.
Also eine Art "Rückkehr der Segel", aber in hochentwickelter, automatisierter Form.
WASP beschreibt kein einzelnes Gerät, sondern ein Konzept bzw. Forschungs- und
Entwicklungsfeld in der maritimen Industrie.
Ziel ist es:
- den Treibstoffverbrauch von Schiffen zu senken,
- CO2 Emissionen deutlich zu reduzieren,
- die Effizienz bestehender Schiffe zu verbessern.
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KI-Bild
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Das Ganze passiert durch die Nutzung von Wind als Zusatzantrieb,
parallel zu normalen Motoren.
Dazu gehörern Flettner Rotoren, starre Flügelsegel (Wing Sails), Zugdrachen (Kite Systeme,
Sky Sails).
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Abgebildet ist Jacques Cousteau's zweites Forschungsschiff, die "Alcyone".
Das 31m lange Schiff hatte zwei Zylinder als Turbosegeln / Saugsegeln.
Diese haben eingebaute Ventilatoren, die die Luft ansaugen. Dadurch wird die Luft
entlang der Oberfläche beschleunigt und es entsteht ein Auftrieb der den Vortrieb für
das Schiff bringt.
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